Börsenpsychologie

Wenn Sie schnell reich werden wollen, traden Sie besser nicht

Wenn Sie schnell reich werden wollen, ist Trading nicht das richtige für Sie.

Wenn Sie schnell reich werden wollen, lesen Sie auch nicht diesen Blog-Artikel. Es wäre reine Zeitverschwendung.

Lesen Sie nur dann weiter, wenn Sie bereit sind für einen Prozess, einen inneren Prozess. Denn Trading ist nichts anderes als ein Lernprozess: Techniken, Fachsprache und Technologien auf der einen; Selbstfindung, Börsenpsychologie und Disziplin auf der anderen Seite.

Sie verschwenden Ihre kostbare, unersetzliche Zeit und Ihr hart verdientes Geld, wenn Sie Trading auf irgendeine andere Weise angehen. In einem können Sie sich sicher sein: die meisten unserer Trader-Kollegen, insbesondere Neulinge, haben keinerlei Absicht zu lernen. Die sprichwörtlichen Dollar- (und Euro- und Yen- und Pfund-) Zeichen - ja, ich würde mich hauptsächlich als Forex-Trader bezeichnen - in den Augen der handelnden Personen sind schlicht und ergreifend zu groß, um ihren Lockversprechen zu entgehen. Das ist absolut verständlich und nachvollziehbar, gar kein Thema.

Das Geld, das die Mehrheit der Akteure verliert, gewinnen die professionellen, erfahrenen und disziplinierten Trader. Um es mit einem Augenzwinkern auszudrücken:

Keine Sorge, das Geld ist nicht verloren; es hat jetzt nur jemand anders.
— über Verluste, mit einem Augenzwinkern ausgedrückt

Forex ist eine Kurzform für “Foreign Exchange”, was zweierlei übersetzt werden kann. Dieser Artikel hat nichts mit der zweiten Bedeutung dieses englischen Begriffs zu tun, den internationalen Schüleraustausch. Der Forex-, zu deutsch Devisen-Markt oder Währungs-Umtausch ist ein Nullsummenspiel. Die Gewinne der einen sind die Verluste der anderen.

Für weniger als 5% der Umsätze im volumensstärksten Finanzmarkt der Welt ist die Gewinnerzielung allerdings nicht das Hauptmotiv. International handelnde Firmen, die Güter und Dienstleistungen im Ausland produzieren oder vertreiben, müssen schlicht und einfach ihre Fremwährungsumsätze jetzt oder in relativ naher Zukunft in ihre Heimatwährung umtauschen. Oder aber sie müssen die fremde Valuta am Devisenmarkt kaufen, um Ihre Wareneinkäufe in nahen oder fernen Ländern bezahlen zu können.

Solche Marktteilnehmer stellen genau betrachtet die ursprünglichen Nutzer des Devisenmarkts dar. Für sie stehen nicht die Gewinnerzielung durch Nutzung von Wechselkursschwankungen an sich im Vordergrund, sondern Kalkulationssicherheit und Liquidität.

Airlines wollen nicht mit Forex-Trading, sondern Ticketverkäufen Geld verdienen… Photo by Jacob Mathers

Ein Beispiel: eine in der Euro-Zone angesiedelte Fluggesellschaft, nennen wir sie fiktiv FlyingEuro, benötigt Flugbenzin, welches üblicherweise in US-Dollar gepreist und bezahlt wird. An den ca. 250 Börsentagen des Jahres kauft der Treasurer der Firma jeweils ein 250-stel des jährlichen USD-Bedarfs. Dadurch erzielt die Airline wirkungsvoll den Jahresdurchschnittskurs von EUR-USD, ohne dass Wechselkursschwankungen nach oben oder unten sich zu stark auf die in EUR kalkulierte Finanzplanung auswirkt. (Hinweis für Fortgeschrittene und Treasurer: wenn sie statt Kassegeschäften Termingeschäfte abschließt, kann die Fluggesellschaft sogar die Wechselkurse z.B. des Folgejahres festschreiben und somit mit verbesserter Kalkulationssicherheit rechnen. Das gleiche kann dann übrigens auch mit Sicherungsgeschäften auf Flugbenzin geschehen; das aber nur am Rande.) Nun kann sich die Firma auf ihr eigentliches Kerngeschäft fokussieren und muss nicht ständig auf den Kursschirm blicken und auf EZB, Fed und Co hoffen.

Für eine Fluggesellschaft, deren Geschäft es ist, Lufttransport-Dienstleistungen zu verkaufen, ist es nicht nur vollständig akzeptabel, dass die Gewinnmöglichkeiten des schwankenden EUR-USD-Kurses nicht maximiert werden. Im Gegenteil, Investoren und Darlehensgeber erwarten dies sogar von ihr, damit die Kostenplanung für den Kerosin-Einkauf eine solide Grundlage hat. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Cargoraten und Flugtickets mit Gewinn verkauft werden können.

Da nun diese 5% des Volumens am Devisenmarkt nicht nach Gewinn trachten, haben andere Trader die Möglichkeit, von Kursschwankungen am Forex-Markt zu profitieren. Von diesen nach Profit strebenden Händlern wird gesagt, dass 90% systematisch Geld verlieren, während nur 10% eine positive Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielen.

Um eins klar zu stellen: ein bestimmter Prozentsatz dieser 90% hat kein Problem damit, Geld durchs Trading zu verlieren, weil Forex-Trading ja auch Spaß macht und Unterhaltung bietet. Es ist spannend und mitreißend wie ein guter Thriller oder ein packender Roman, wie Roulette im Kasino, wie downhill Mountain Biking oder alpines Skifahren, wie das Pokalfinale im Berliner Olympiastadion, wie eine Oper im Stuttgarter Großen Haus. Als Konsument von Entertainment muss man langfristig immer Geld bezahlen, auch wenn’s ab und zu etwas umsonst gibt. Das weiß jeder, der ein Hobby hat.

Es ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, mit dem Ziel zu traden, sich ein wenig Spaß, Spannung und Unterhaltung zu gönnen; solange man sich die Verlustrisiken, welche die Kosten für diesen Zeitvertreib darstellen, leisten kann.

Was traden und skifahren gemeinsam haben können… Photo by Joris Berthelot

Nehmen wir alpines Skifahren als Analogie. Es ist eine wundervolle Freizeitbeschäftigung, aufregend und erfüllend. Um auf den Berg hoch zu kommen, den Sie herunter carven möchten, kaufen Sie sich ein Lift-Ticket. Dann mieten oder kaufen Sie sich Ausrüstung sowie passende Kleidung und belegen vielleicht noch einen Skikurs. Sie als Hobby-Skifahrer, seien Sie noch so ambitioniert, geben also Ihr hart verdientes Geld einem Profi der Ski-Industrie, um Ihre Leidenschaft ausüben zu können. Im Gegenzug erhalten Sie Spaß, Lebensfreude, frische Luft und vieles mehr. Was Sie aber auf keine Fälle erwarten, ist, dass Ihnen jemand fürs Skifahren Bares reicht.

Das ist den Profis vorenthalten, seien es Ausstatter, Liftbetreiber, Ski-Lehrer oder Weltspitzen-Athleten. Um Profi zu werden, müssen Sie jahrelang lernen und trainieren, investieren und sich selbst verbessern. Bringen wir die Parallele aufs Forex-Trading zurück: Nur wer dazu bereit ist, Trading als ständigen Lernprozess zu sehen, der nicht in Stunden oder Tagen, sondern in Jahren oder gar Jahrzehnten gemessen wird und zudem niemals ein Ende hat, sollte sich dem Devisenhandel mit der Absicht der Gewinnerzielung widmen. Für alle anderen bleibt das Hauptmotiv Spaß und Unterhaltung - was an sich natürlich vollkommen in Ordnung sein kann, wer sich’s leisten kann.

Sind Sie reif dafür, nach Stürzen sich wieder aufzurappeln, und nach Erfolgen sich nicht von deren Vergänglichkeit blenden zu lassen?

Nur ein klares Ja auf diese Doppelfrage gerechtfertigt, sich mit dem Traden mit Gewinnmotiv weiter auseinander zu setzen.

Sind Sie bereit dafür, verborgene Schätze der Weisheit über die Welt des Tradings einerseits und über Ihre eigene, innere Welt der psychologischen Hindernisse andererseits kennenzulernen?

Wenn ja, dann können Sie bewusste Schritte dafür unternehmen, um ein ernsthafter, ständig dazulernender und daher schlussendlich erfolgreicher Trader oder Traderin zu werden. Dann können Sie sich vertiefen in die Fachsprache, in die Funktionalitäten der verfügbaren Märkte und Handelsplattformen und die Welt des Umgangs mit einem unzähmbar erscheinenden Ego.

Meiner Meinung nach ist es die Reise wert. Sie begeistert mich ob der monetären, aber auch der nicht-monetären Erfolge, die es auf dem Weg zu feiern gibt. Der Weg ist das Ziel. Mit schnell reich werden hat dies nichts zu tun.

Beste Lerneffekte im Trading wünscht
Cristof Ensslin von mindful FX, Ihr EA-Programmierer

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Was surfen und traden gemeinsam haben

Nein, ein Surfer bin ich nicht - zumindest wenn man vom Surfen des Internets absieht... Weder Windsurfing noch Wellenreiten habe ich jemals unternommen, obwohl ich gerne mal Kitesurfen ausprobieren möchte.

Dennoch habe ich gerade ein Buch zu Ende gelesen, das autobiografisch mitreißend den Lebensweg eines passionierten Kölner Surfers erzählt: Boarderlines von Andreas Brendt. Während die spannungsgeladenen Seiten zum ständigen Weiterlesenwollen geradezu einladen und vielerlei versteckte Weisheiten enthalten, präsentiert Brendt im vorletzten Kapitel seine aus guten und schlechten Surferfahrungen gezogenen Lehren in zwei Abschnitten.

Mitten im ersten Absatz des Abschnitts trifft es mich. Dies sind nicht nur Lehren fürs Surfen. Nein, es sind auch Analogien fürs ganze Leben - und vor allem: Hier steht alles über die eigene Psychologie und richtige Einstellung drin, was fürs Trading wichtig ist!

Wir müssen im Text einfach nur die Wörter Surfer mit Trader, Meer mit Markt, und Welle mit Marktschwankung etc. ersetzen. Dann müsste es wie Schuppen von unseren Augen fallen. Es folgen Brendt's Zitate und was wir meiner Meinung davon tragen können:

Wenn ein Surfer von einer großen Welle erwischt wird, muss er sie gewähren lassen.

Wir liegen im Trading oftmals falsch. Das müssen wir akzeptieren, die Verluste mitnehmen und als Teil des Prozesses hinnehmen.

Und über kurz oder lang wird jeder in die Tiefe gerissen.

Sprich: wir sitzen alle im gleichen Boot. Wir alle machen beizeiten heftige Verluste, und unser Konto gerät in eine Drawdownphase, die tiefer noch nie war. 

Dann hat er seine Prüfung zu meistern, seine Lektion zu lernen.

Die Lektion kann heißen: Ausdauer und Geduld. Insbesondere bei Trendfolge-Strategien laufen Trefferquote und Gewinnpotenzial gegenläufig, was ungemein aufs Gemüt drückt. Das ist wahrscheinlich das schwierigste am Trading überhaupt. Zumindest für mich.

In der Welle muss er sich ausliefern, die Macht des Meeres akzeptieren.

Den Markt und seine volatilen Sperenzchen müssen wir vollständig akzeptieren.

Wenn der Surfer dagegen ankämpft, zu früh an die Wasseroberfläche rudert, weil er Angst bekommt, wird er einen hohen Preis bezahlen.

Wer als Trader dieses Faktum bekämpft und die Angst vor dauerhaften Verlusten (die wir alle mehr oder weniger haben) nicht im Zaum hält, wird genau zum falschen Zeitpunkt aus Positionen aussteigen oder langfristig erfolgreiche Handelssysteme und profitable (Trendfolge-) Tradingstrategien in die Ecke werfen.

Sorgen und krampfhaftes Verlangen lassen seinen Sauerstoff einfach verpuffen.

Wir Trader brauchen immer Luft zum Atmen: erstens Geld, das wir zum Trading einsetzen können (also niemals zu viel auf einmal riskieren). Zweitens innere Ruhe - Angst und Gier erkennen, wenn sie auftreten, ein paar mal tief durchatmen und wieder auf das fokussieren, was wir beeinflussen können: das riskierte Kapital pro Deal und natürlich Ein- und Ausstiegsregeln unseres Handelsansatzes.

Denn tief unter Wasser, in den dunklen Ecken des Ozeans, herrschen Gesetze, die nicht nach Wenn und Aber fragen, sondern einfach so sind.

Tief im inneren des Marktes steckt menschliche Psychologie. Sie mag beizeiten unergründlich erscheinen, dennoch sind all unsere Entscheidung emotional getroffen - und im Nachhinein rationalisiert. Angst und Gier machen uns zum Tier. Das ist so. Nur wenn wir uns selbst kennen, können wir entsprechend handeln.

Nein, der Surfer muss Ruhe bewahren. Er muss die Turbulenzen akzeptieren, weil er weiß, dass ihn die Welle wieder loslassen wird.

Die einzige Konstante ist die ständige Veränderung. Der bewusste Trader erkennt dies uns weiß, dass auch die schlimmste, der eigenen Strategie unpassenden Marktphase wieder vorbei geht. Diese Ruhe können wir als Trader natürlich nur dann bewahren, wenn wir Zuversicht haben können, dass wir die Drawdown-Phase finanziell überleben werden. Diese Erkenntnis macht Money und Risiko Management essenziell, sei es bei Trendfolge-Strategien oder anderen Handelsansätzen.

Auf den Sturm folgt Windstille, auf brüllenden Lärm verlässliche Ruhe und auf alles andere der Neuanfang.

Der Markt ist im ständigen Wechsel zwischen langweiliger Ruhe, krass hektischen Ausschlägen und gewinnträchtigen Trends. Danach geht es wieder von vorne los.

Das Wasser, das ihn in die Tiefe reißt, wird ihn emportragen. Dorthin, wo die Sonne lacht.

Es mögen nicht die gleichen Wassertropfen - sprich: Deals und Handelssymbole - sein, die unseren Kontostand wieder anheben werden. Aber eine wohl durchdachte, auf Robustheit rigoros überprüfte Strategie wird uns nach den inhärenten Verlusten auch wieder strahlende, Freude bereitende Gewinne bringen. 

Er muss nur loslassen, Vertrauen haben, dann taucht er wieder auf. Und alles geht seinen Weg, führt in eine neue Welt. Voller Sauerstoff. Voller Leben. 

Trader müssen davon loslassen, dass jeder Deal (oder auch ein hoher Prozentsatz aller Deals) ein Gewinn sein müssen. Dem gesamten Handelssystem (inklusive Money Management, Ein- und Ausstiegsregeln) müssen, natürlich nur sofern berechtigt, volles Vertrauen geschenkt werden. Dann können wir damit rechnen, dass ungeahnte Gewinnchancen gehoben werden können.

Das ist sicher, denn das Meer lügt nicht.

Der Markt hat immer Recht.

Allerbeste Trading-Erfolge wünscht Ihnen
Ihr Cristof Ensslin von mindful FX