Wie finde ich heraus, ob ein Indikator nachzeichnet, re-paintet oder sonstwie nicht konsistent ist?

Es gibt im MetaTrader 4 (und 5) Indikatoren, die nachträglich ihre Werte verändern können, obwohl die Kerzen schon abgeschlossen sind. Bei einigen wenigen macht dies von der Logik her Sinn. Bei den meisten anderen handelt es sich oftmals um die Art und Weise der Programmierung, die eben diese Inkonsistenz hervorruft.

Aber erst mal Schritt für Schritt.

Die große Mehrheit der im MetaTrader eingebauten Indikatoren arbeiten lupenrein und sind daher auch mehr oder weniger eins zu eins dazu geeignet, nachvollziehbare Signale zum Trading zu liefern – ob im manuellen Trading oder im automatisierten Algo-Handel mittels Expert Advisor (EA).

Alle Standard-Indikatoren fallen in diese Kategorie, sei es gleitender Durchschnitt (Moving Average oder MA), Stochastic, Relative Strength Index (RSI) oder Parabolic Stop-and-Reverse (PSAR). Auch „exotischere“ Hinweisgeber wie Heikin Ashi oder die Ichimoku-Wolke gehören hier dazu. Auf diese sind allesamt Verlass.

Ein paar der in der MT4-Installation mitgelieferten Indikatoren können im Nachhinein noch ihre Werte schon abgeschlossener Perioden verändern. Das ist aber schon in deren Logik eingebaut und somit in sich konsistent. Zum Beispiel der ZigZag und die Fractals gehören dazu. Wenn man die Logik dahinter kennt und versteht, lassen sich aber auch hierauf nachvollziehbare Signale basieren.

Kommen wir zur eventuell problematischen Kategorie.

Es handelt sich hierbei um so genante „Custom Indikatoren“, also nicht im MT4 eingebaute, individuell kreierte Indikatoren.

Sie haben alle gemeinsam, dass sie im MQL4 Code eines EA's mit der iCustom-Funktion abgerufen werden, sofern Sie über einen Ausgabe-Buffer verfügen, der im Detailfenster angezeigt wird. (Es gibt auch Indikatoren, die ausschließlich über Chart-Objekte ihre Werte darstellen. Diese müssen von EA's anders behandelt werden. Dazu aber ein ander Mal mehr.)

Entweder wurden sie von Ihnen selbst programmiert, sie haben sie programmieren lassen oder aber im Internet kostenlos oder kostenpflichtig heruntergeladen. Auch Indikatoren im „Market“ (siehe MT4 Terminal oder mql5.com) fallen allesamt in diese Kategorie.

Nun sage ich nicht, dass diese Indikatoren schlecht sind. Ganz und gar nicht. Im Gegenteil: einige meiner Kunden traden mit Hilfe solcher Werkzeuge extrem erfolgreich.

Ich möchte nur aussagen, dass der Verwender eines solchen Wegweisers sich bewusst sein muss, dass im Live-Betrieb und im Rückblick oft andere Signale ausgegeben und im Chart angezeigt werden. Wenn Sie sich dieser Eigenheiten bewusst sind, können Sie Schwachstellen vermeiden und die Stärken des Indiaktors besser nutzen.

An erster Stelle steht daher herauszufinden, ob der Indikator seine schon festliegenden Werte im Nachhinein verändert oder nicht. Dieses Phänomen nennt sich „nachzeichnen“ oder „re-painting“. Innerhalb dieser "Nachzeichner" gibt es konsistente und inkonsistente Indikatoren, wie oben schon erwähnt.

Konsistente und inkonsistente Indikatoren erkennen

Anhand zweier Beispiele zeige ich Ihnen nun, wie Sie beide voneinander unterscheiden können.

  1. Konsistenter Re-Painter: ZigZag

  2. Inkonsistenter Re-Painter: SuperTrooper (Name geändert)

Sie können diese Indikatoren folgendermaßen auf Konsistenz prüfen.

Schritt 1:

Öffnen Sie zunächst den Strategietester des MT4. Das geht mit der Tastenkombination Strg + r oder über Menü → Ansicht → Strategietester.

Links oben im Strategietester-Fenster wählen sie dann „Indikator“ statt der Standardeinstellung „Expertenprogramm“ aus. Wir beginnen mit dem ZigZag, siehe Screenshot 1.

Screenshot 1: Indikator-Modus und Indikator selbst im Strategietester des MetaTrader 4 auswählen

Schritt 2:

Danach geben wir einen Test-Zeitraum ein, z.B. eine Woche. Der Zeitraum sollte im Verhältnis zur Periode (wir wählen für unseren Test den M15-Chart) nicht zu lange sein, um die Ladezeit für die Datenhistorie kurz zu halten. Gleichzeitig auch nicht zu kurz, um genügend Datenpunkte testen zu können. Als Modell genügt uns hier „Kontrollpunkte“, damit der Backtest schneller durchläuft. Diese Einstellungs-Punkte sehen Sie im Screenshot 2 markiert.

Screenshot 2: Periode, Modell und Zeitraum auswählen

Schritt 3:

Nun starten wir den Test, indem wir auf „Test starten“ klicken, siehe Screenshot 3.

 Screenshot 3: Indikator-Test starten

Screenshot 3: Indikator-Test starten

Schritt 4:

Jetzt können wir die Testgeschwindigkeit erhöhen. Dazu bewegen wir den Geschwindigkeits-Schieber ganz nach rechts, siehe Screenshot 4. Sofort läuft der Test blitzfix durch, bis zum Ende des eingestellten Test-Zeitraums.

Screenshot 4: Test schneller machen

Schritt 5:

Wenn der Test beendet ist, laden wir den getesteten Indikator (hier: ZigZag; nachher siehe unten: SuperTrooper) ein zusätzlichen Mal aufs Test-Chart, obwohl er ja schon vom Tester aufs Chart gezeichnet wurde; siehe Screenshot 5. Wichtig: wirklich erst nach Vollendung des Tests den zusätzlichen Indikator auf Chart einfügen!

Screenshot 5: Getesteter Indikator zusätzlich aufs Test-Chart laden, nachdem der Test vollständig durchgelaufen ist.

Nun können wir im Chart nach links scrollen und werden erkennen, dass nur eine einzige Indikator-Linie zu sehen ist. Das bedeutet, dass beide Indikator-Installationen, die vom Strategietester gezeichnete und die von uns nach dem Test zusätzlich geladene, direkt übereinander liegen. Ein solcher vollständig deckungsgleicher Indikator-Verlauf deutet auf einen konsistenten Indikator hin.

Nun gehen wir die gleichen Schritte mit dem SuperTrooper durch.

In Screenshot 6 sehen wir das Ergebnis nach Ausführung des Schritt 5.

Screenshot 6: Test-Ergebnis des SuperTrooper Indikators

Das obere der beiden Indikator-Unterfenster ist der Test-Verlauf, der vom Strategietester ermittelt und eingezeichnet wurde. Das untere ist der im Nachhinein aufs Chart geladene Indikator. Beide haben die exakt gleichen Einstellungen. Finden Sie die Unterschiede?

Die Indikator-Verläufe sind ähnlich, aber lange nicht identisch:

  1. Ganz links sind im oberen der beiden Indikator-Fenster zwei Short-Signale eingezeichnet, während im unteren Fenster nur eines angezeigt wird.

  2. Die Zeitpunkte der restlichen Signale sind ebenfalls nicht an den gleichen Kerzen.

  3. Der live-Verlauf ist zudem viel zackiger als die Rückbetrachtung.

All diese Punkte weisen eindeutig auf einen inkonsistenten, nachzeichnenden Indikator hin. Wenn solche Ergebnisse auftreten, eignet sich der Indikator in der Regel nicht zur Signalgebung für ein Handelssystem und somit einen Expert Advisor.

Je nach Handelsansatz gibt es Ausnahmen für die Eignung solcher Indikatoren. Einer meiner Kunden arbeitet sehr erfolgreich systematisch mit einem inkonsistent re-paintenden Indikator. Das muss aber gelernt sein und benötigt viel Übung.

Beste Erfolge für Ihre eigene Indikator-Wahl
Ihr Cristof Ensslin von mindful FX, Ihrem EA-Programmierer