Die 5 wichtigsten Fragen der Handelsmodell-Entwicklung

Wie Sie vielleicht schon wissen, bin ich ein Anhänger der Trendfolge. In der Recherche nach langfristig funktionierenden Modellen, die ich dann gegebenenfalls durch die Programmierung von EAs in MT4 automatisieren kann, lese ich Bücher, schaue Videos, und nehme an Kursen teil. Wir kochen schließlich alle nur mit Wasser.

Kürzlich fand ich in einem fantastischen Buch namens Trend Following. Wie erfolgreiche Trader in Hausse und Baisse Millionen machen von Author Michael Covel fünf Fragen, die in der Modell-Entwicklung (ob nachher mit Expert Advisor oder manuell getradet) allesamt beantwortet werden müssen, bevor es mit den System-Tests und später dem Trading (ob auf MetaTrader oder mit anderen Handelsplattformen ist logischerweise egal) losgehen kann.

Diese Fragen bieten die wichtigste Grundlage für jedes Trading-Modell. Hier folgen meine Formulierungen der Fragen:

  1. Welche Märkte sollen gehandelt werden, und wie entscheidet das System, welcher Markt zum jeweiligen Zeitpunkt betrachtet und im Signalfall getradet wird?
  2. Wenn ein Signal entstanden ist und gehandelt werden soll, welches Handels-Volumen (Anzahl Kontrakte, Aktien, Lots etc.) soll getradet werden?
  3. Nach welchen Regeln werden Handels-Signale zum Einstieg in den Markt (Deal-Einstieg) generiert?
  4. Exit-Strategie Verlustfall: wann steige ich aus einem Verlustdeal aus?
  5. Exit-Strategie Gewinnfall: wann steige ich aus einem gewinnenden Deal aus?

Diese Fragen, im Lichte der eigenen Trading-Ziele und -Vorlieben beantwortet, stellen die Grundlage dar, um ein System zu entwickeln, das langfristig erfolgreich sein kann.

Warum ist das so und warum benötigen wir überhaupt ein Handelsmodell und können nicht einfach nach Bauchgefühl traden?

Ganz einfach: weil wir Menschen sind. Und weil wir Menschen sind, haben wir Gefühle. Die moderne Wissenschaft hat herausgefunden, dass wir eigentlich immer vom Bauch heraus entscheiden. Der Kopf rationalisiert im Anschluss (in Windeseile) unsere Entscheidung.

In vielen Lebenssituationen ist das sehr nützlich. Beim Trading allerdings nicht. Wir müssen uns selbst davor schützen, zu unseren Standard-Bauch-Reaktionen zu greifen, wenn wir zum Beispiel

  • mit einer Position im Verlust liegen und denken, dass es schon wieder rumdrehen wird,
  • mit einem Deal vorne liegen und lieber einen Gewinn mitnehmen möchten anstatt ihn laufen zu lassen, um vom vorliegenden Trend größtmöglich zu profitieren,
  • eine Marktmeinung von einem Experten oder geschätzten Freund hören und diese umsetzen wollen, auch wenn Sie momentan ganz und gar nicht unserem System oder unseren Vorlieben entspricht.

Wir sollten uns also wirklich die Zeit nehmen und alle fünf Fragen beantworten. Ausführlich beantworten. Immer wieder beantworten.  Dann nach einer Weile die durch die wohl überlegten Antworten festgestellten Systemregeln erneut in Frage stellen und mit den objektiven Wirklichkeiten des Tradings (z.B. Deal-Statistik, Marktveränderungen, Trader-Psychologie) abgleichen.

Wir alle verdienen es, an der Börse Geld zu machen. Wir müssen es uns aber selbst erarbeiten, damit das Gelingen nachhaltig ist und sprichwörtlich "Hand und Fuß" hat. Nur dann können wir den Trading-Erfolg immer und immer wieder selbst reproduzieren.

Wir alle träumen von einem System, das uns über Nacht Reichtum verspricht und auch wirklich bringt. Mit ein bisschen Lebenserfahrung wissen Sie genauso wie ich, dass solche Versprechungen in der Regel im Totalverlust des eingesetzten Kapitals resultieren.

Es gibt zahlreiche Sprichwörter Zitate, die dies schön ausdrücken; wie zum Beispiel:

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen
- deutsches Sprichwort
Ich habe 30 Jahre gebraucht, um über Nacht berühmt zu werden
- Harry Belafonte

All dies gilt auch fürs Trading - nochmal: ob mit oder ohne EAs, ob im MetaTrader 4, 5 oder auf anderen Handelsplattformen, ob bei Aktien, Indizes, Forex, Bonds, Edelmetallen oder Rohstoffen.

Erarbeiten Sie sich Ihre Antworten auf die obigen fünf Fragen. Testen Sie die Ergebnisse. Wenn Sie unbedingt müssen, weil Sie sich nicht stoppen können (glauben Sie mir, ich kenne das gut!), dann testen Sie das System über einen längeren Zeitraum wie z.B. ein oder zwei Jahre auch mit Echtgeld - aber nur mit so viel Verlustrisiko wie Sie maximal für diese Ihre Eigen-Ausbildung bereit sind zu bezahlen.

Wenn Sie ein gutes System gefunden haben, das Ihren Zielen und persönlichen Vorlieben entspricht, wird es Ihnen lange Jahre gute Dienste leisten. Lassen Sie sich also Zeit, es lohnt sich.

Größtmöglichen und langfristigen Trading-Erfolg wünscht Ihnen
Cristof Ensslin und das mindful FX Team