Trendfolge Blog

Wie man in MQL4 einen Teilverkauf mit Breakeven für die Restposition programmiert

Ein beliebter Ansatz des Positionsmanagements im Forex-Trading ist es, für einen Deal nicht nur ein, sondern zwei Take-Profit-Levels zu definieren. Bei Erreichen des ersten Gewinnziels wird ein Teil der Position, z.B. 50% der ursprünglichen Lotsize, glattgestellt und somit ein Mindestgewinn gesichert. Damit dieser nicht mehr verloren werden kann, wird für die verbleibende, 50-prozentige Restposition der Stop-Loss auf Einstandskurs nachgezogen.

Das kann man selbstverständlich manuell durchführen. Diese Vorgehensweise lässt sich aber ebenso in einem Expert Advisor (EA) für MetaTrader (MT4/MT5) automatisieren. In diesem Wissen erreichte mich neulich die folgende Frage eines Kunden.

Ich interessiere mich für den MAXingPro EA, hätte aber dazu jetzt eine Frage zu einer möglichen Änderung bzw. Anpassung des Codes. Wäre es möglich, eine Funktion in den Code einzubauen, wo man z.B. nach Erreichen von angegeben Pips einen Teilverkauf macht (diesen könnte man in % angeben) und dann die noch offene Position auf Break Even zieht und mit Trailing Stop einfach laufen lässt?
— Philipp L., Trader und mindful FX Kunde

Ich war mit Herrn L. so verblieben, dass diese Funktion in einer der nächsten EA-Versionen eingeführt wird. Heute ist es so weit.

Ich zeige all denjenigen, die selbst am Programmieren interessiert sind, zudem bei dieser Gegelenheit, wie ein solcher Teilverkauf in MQL4 programmiert werden kann. Los geht's, am Beispiel unseres Trendfolge-EA's mFX-MAXingPro!

Wichtiger Hinweis: in den folgenden Code-Beispielen sind die Änderungen bzw. Hinzufügungen in Fettschrift aufgeführt, während gleich bleibender Code in normaler Schrift geschrieben ist.

Schritt 1: EA-Datei unter neuem Namen abspeichern und neue Versionsnummer eintragen

Hier im ersten Schritt öffnen wir zunächst die mq4-Datei des EA's mFX-MAXingPro, der Kreuzungen von zwei Moving Averages (Gleitenden Durchschnitten) als Signalgeber verwendet. Wir speichern sie sofort unter einem neuen Namen (mFX-MAXingPro_v1.50) ab. Damit stellen wir sicher, dass wir jederzeit zur Ausgangs-Version v1.40 zurück kehren können, von der wir wissen, dass sie einwandfrei funktioniert.

Dann ändern wir im Code die Versionsnummer und das Erstellungsdatum ab, um unsere Arbeit im EA später nachvollziehen zu können. Die Code-Zeile lautet nun:

#property version "1.50" // 31.08.2018

Entsprechend unserer neuen Eingaben wird die neue Versionsnummer ab sofort bei Verwendung im MT4-Terminal unter "Allgemein" in den EA-Eigenschaften angezeigt.

Schritt 2: Teilverkaufs-Eingabeariable definieren

Eine Break-Even-Funktionalität haben wir in diesem EA schon. Diese wird gesteuert durch die folgenden Eingabevariablen:

input bool BreakEven_verwenden=true;
input double BreakEven_Trigger=30;
input double BreakEven_Profit=0;

Mit der ersten Variable BreakEven_verwenden kann der EA-Nutzer nachher die Break-Even-Funktionalität ein- und ausschalten. Bei BreakEven_Trigger kann er oder sie in Pips eingeben, bei welchem Dealgewinn der SL auf Einstandskurs nachgezogen werden soll. Mit BreakEven_Profit kann die Traderin schlussendlich eine Vertikalverschiebung in Pips eingeben, so dass der SL-Nachzug auf z.B. 1 Pip im Gewinn vollzogen wird.

Nun fügen wir zu diesem Codeblock die Eingabe-Variable hinzu, mit der wir später bei der EA Verwendung den gleichzeitigen Teilverkauf steuern können. Sinnvoll ist hier, den Prozentsatz der originalen Lotsize eingeben zu können, der teilgeschlossen werden soll:

input double BreakEven_Teilverkauf=50;

Wir werden das so programmieren, dass die Eingabge von 0 den Teilverkauf ausschaltet. Bei Eingabe der voreingestellten 50 würde der EA bei Erreichen der unter BreakEven_Trigger definierten Gewinn-Pips 50% der Ursprungsposition (Beispiel: 50% von 1.00 Lots = 0.50 Lots), also die Hälfte der bestehenden Lotsize teilschließen.

Schritt 3: Teilverkauf in Break-Even-Funktionalität zunächst für Buy-Deals einfügen

Nun bewegen wir uns hinein in die OnTick-Funktion, also die Funktion, die ein EA bei Empfang eines jeden Chartkursticks durchläuft. Dort haben wir eine schon eine Schleife programmiert, die alle bestehenden Deals auf MagicNumber und Chartsymbol filtert. Das macht den EA multi-Deal-fähig, denn somit kann er jederzeit seine eigenen Deals wiedererkennen.

Im bestehenden Code fragen wir für BUY- und SELL-Deals getrennt schon ab, ob einerseits die Break-Even-Funktionalität überhaupt aktiviert ist und ob andererseits der Kurs-Trigger erreicht ist, der zum Nachziehen des Stop-Loss-Kurses auf Einstandskurs +/- Mindestgewinn-Pips eingestellt wurde. Hier fügen wir nun Code ein, der den Teilverkauf effektiv durchführt.

Zuerst führen wir eine Serie von Bedingungs-Abfragen durch. Sie stellt fest, ob eine Teilschließung überhaupt zugelassen ist in diesem Moment. Am Ende, wenn also alle Bedingungen wahr sind, kommt das Closing selbst in den geschweiften Klammern.

Ich kommentiere dabei die jeweilige Zeile zum besseren Verständnis:

if ( BreakEven_Teilverkauf > 0 && BreakEven_Teilverkauf <= 100)
Diese Bedingung fragt ab, ob der Teilverkauf durch den EA-Nutzer gewünscht ist. Die Abfrage ist genau dann wahr, wenn die Eingabe-Variable BreakEven_Teilverkauf größer als null und gleichzeitig maximal 100 ist. Alle anderen Eingaben schalten also die Teilverkauf-Funktionalität effektiv aus.

if ( OrderSelect ( Count, SELECT_BY_POS ) )
In den folgenden Bedingungen benötigen wir Zugriff auf das bestehende Orderkommentar, die Orderlotsize, die Orderticketnummer sowie den aktuell verfügbaren Closingpreis für die Order. Damit der EA auf jeden Fall all diese Orderattribute zur Verfügung hat, selektieren wir die Order nocheinmal. Denn im Fall der OrderModify-Durchführung der Breakeven-Funktionalität kann es sein, dass die bisherige Orderselektion aufgehoben wird. OrderSelect(...) gibt dann wahr zurück, wenn die Order anhand des Schleifen-Zählers Count im Dealpool (SELECT_BY_POS) erfolgreich gefunden werden konnte.

if ( StringFind ( OrderComment(), "from #" ) < 0 )
Nun schauen wir im Orderkommentar OrderComment() nach, ob diese Order schon einmal teilgeschlossen wurde. Alle Teilschließungen werden im MT4 automatisch mit from #1234567 anstelle eines eventuell schon bestehenden Orderkommentars kommentiert, damit man erkennen kann, von welcher ursprünglichen Order her diese Restposition stammt. Das ist hilfreich, weil Restpositionen zwar den gleichen Einstiegskurs und die selbe Einstigeszeit, jedoch eine neue Ticketnummer erhalten. Mit der in MQL4 eingebauten StringFind-Funktion durchsucht der Expert Advisor nun das OrderComment() daraufhin, ob der Text from # schon darin zu finden ist. Wenn nein, gibt uns die StringFind-Funktion einen negativen Wert zurück. Unsere if-Bedingung ist also immer dann wahr, wenn die Order noch nicht teilgeschlossen wurde.

if ( BreakEven_Teilverkauf / 100 * OrderLots() >= MarketInfo ( Symbol(), MODE_MINLOT ) )
Um Fehlermeldungen im EA-Ablauf der eigentlichen Teilverkäufe zu vermeiden, fragen wir hier ab, ob der Prozentsatz BreakEven_Teilverkauf / 100 der bestehenden Orderlotsize OrderLots() mindestens so groß ist wir die Mindestlotsize des Brokers. Letztere wird über die MarketInfo-Funktion für das aktuelle Chartsymbol Symbol() mit dem Bezeichner MODE_MINLOT abgefragt.

Sind nun alle vier Bedingungen wahr, kann der EA in die geschweiften Klammern eintreten und den folgenden Code durchlaufen:
   {
   double clsLots = NormalizeDouble ( BreakEven_Teilverkauf / 100 * OrderLots() ,                                              LotsRundung ) ;

Hier wird die Berechnung der teilschließenden Lotsize der neuen double-Variable clsLots zugewiesen. Der Wert wird dabei durch die NormalizeDouble-Funktion auf die richtige Anzahl an Nachkommastellen gerundet, welche wir in der OnInit-Funktion ermittelt und der Integer-Variable LotsRundung zugewiesen haben.

   while ( IsTradeContextBusy() ) Sleep ( 10 ) ;
Wir lassen den Experten über die Sleep-Funktion ein in Millisekunden (hier: 10) definiertes Nickerchen machen, solange (while...) die Tradingleitung zum Broker belegt ist, was wir über IsTradeContextBusy() erfahren.

   bool oc = OrderClose ( OrderTicket(), clsLots, OrderClosePrice(), UseSlippage,                                    clrCornflowerBlue ) ;
   }

Zu guter letzt wird der Teilverkauf an sich durchgeführt. Die OrderClose-Funktion bestücken wir entsprechend mit den notwendigen Parametern Ordernummer OrderTicket(), Lotanzahl clsLots, aktueller Schließpreis (Bid oder Ask) OrderClosePrice(), maximal akzeptierte Kursabweichung (Slippage) UseSlippage (schon in OnInit-Funktion mit dem gewünschten Maximalwert belegt) sowie die Farbe clrCornflowerBlue des Pfeils, der vom EA bei Teilschließung in den Chart eingezeichnet wird.

Schritt 4: Teilverkauf für SELL-Deals ergänzen

Der Code, um Sell-Deals teilzuclosen ähnelt dem im letzten Schritt geschriebenen Code sehr stark. Wir können ihn daher per Copy & Paste in die Sell-Deal-Abfrage einfügen. Wir müssen dann nur noch eine kleine Änderung ergänzen:

if ( BreakEven_Teilverkauf > 0 && BreakEven_Teilverkauf <= 100 )
if ( OrderSelect ( Count, SELECT_BY_POS ) )
if ( StringFind ( OrderComment(), "from #" ) < 0 )
if ( BreakEven_Teilverkauf / 100 * OrderLots() >= MarketInfo ( Symbol(), MODE_MINLOT ) ) 
   {
   clsLots = NormalizeDouble ( BreakEven_Teilverkauf / 100 * OrderLots() ,                                              LotsRundung ) ;
   while ( IsTradeContextBusy() ) Sleep ( 10 ) ;
   oc = OrderClose ( OrderTicket(), clsLots, OrderClosePrice(), UseSlippage,                                    clrCornflowerBlue ) ;
   }

Vor den Variablen clsLots und oc musste ich lediglich die Variablendefinition entfernen, da wir diese schon bei der Behandlung der Buy-Orders definiert haben und wir uns nicht im strikten Kompiliermodus befinden. Alles andere konnte eins zu eins von der Buy-Seite übernommen werden. (Im strikten Kompiliermodus #property strict hätten wir den kompletten Code inklusive der Variablendefinitionen übernehmen können.)

Hinweis: um Copy&Paste zu vermeiden, hätten wir auch eine eigene Funktion schreiben können, die dann jeweils bei BUY und SELL abgefragt wird. Das bewirkt das exakt gleiche Ergebnis in der letztendlichen EA Verwendung, spart aber Platz im Code.

Schritt 5: testen, ob der EA mit dem neuen MQL4-Code funktioniert

Abschließend testen wir die neue EA-Version des mFX-MAXingPro noch, um sicherzustellen, dass die neuen Code-Module auch wirklich das bewirken, was wir mit ihnen beabsichtigt haben. Dazu rufen wir den Strategietester im MetaTrader 4 auf.

Bei solchen Funktionalitätstests ist das Modell "Kontrollpunkte" ausreichend. Im folgenden Screenshot sehen Sie wunderbar, wie die Teilclosings nun in der Chart-Grafik aussehen, sowohl für Buy als auch für Sell. Wir beobachten in diesen Fällen zwei gestrichelte Linien vom Einstiegsmoment nach rechts. Die erste hin zum Moment des Breakeven-SL-Nachzugs und Teilverkaufs, die zweite hin zum Zeitpunkt des Schließens der Restposition.

Funktioniert also alles wie gewünscht! Insbesondere im Fall des Buy-Teilverkaufs am 9. August um ca. 13 Uhr sieht man, wie positiv sich ein solcher Teilclose auf das Ergebnis auswirken kann. Die zwischenzeitlichen Kursgewinne konnten hier zumindest zur Hälfte (Teilverkauf von 50%) mitgenommen werden, während für die Restposition bei Gegensignal immerhin noch ein kleiner Gewinn verblieb.

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Ich freue mich auf Sie!

Allerbeste Programmier- und Tradingerfolge wünscht
Cristof Ensslin von mindful FX, Ihr EA-Programmierer

Übergeordnete Trendeinschätzung umsetzen im MAXingPro EA

Neulich erreichte mich eine Frage zu den Einstellungsmöglichkeiten des EA's mFX-MAXingPro. Dieser EA für MT4 handelt Signale aus Kreuzungen von zwei frei einstellbaren Moving Averages. Er kann die Kreuzungen je nach Wunsch des Traders trendfolgend, aber auch konträr umsetzen.

Nun die Frage des EA-Käufers:

Folgendes Problem bzw. folgender Wunsch:
was muss ich machen, wenn ich nur Longsignale handeln will und der Deal beim nächsten Shortsignal geschlossen wird?
Ich gehe bei den ganzen Überlegungen von dem von ihnen programmierten mFX-MAXingPro EA aus. Wenn ich einen stabilen Trend habe, kann ich ja festlegen, ob ich beim 1. Signal long oder short gehen will. Bei der nächsten Richtungsänderung soll der Deal geschlossen werden und dann soll der EA wieder beim nächsten Longsignal aktiv werden.
— ein Käufer des mFX-MAXingPro EA's

Danke für Ihre Frage. Den gewünschten Effekt erzielen Sie, indem Sie folgende Einstellungen im EA vornehmen:

Close_bei_Gegensignal = true
Max_offeneBuys = 1
Max_offeneSells = 0
Max_offeneDeals = 1

Im Screenshot nebenan sehen Sie, wie dies dann in den EA Eingaben aussieht.

So erreichen Sie, dass Sie den EA je nach Ihrer übergeordneten Trendeinschätzung z.B. nur Buy-Signale handeln lassen. Sie sind generell bullisch für den EURUSD, Brent oder DE30? Dann können Sie somit den MA-Kreuzungs-EA mFX-MAXingPro für MT4 entsprechend einsetzen und die Aufwärts-Swings mitnehmen.

Herzliche Grüße und beste Handelserfolge
Cristof Ensslin von mindful FX, Ihr EA Programmierer

PS: alle Infos und den Sofortdownload des Expert Advisors für MetaTrader 4 mFX-MAXingPro finden Sie unter folgendem Link: https://www.mindfulfx.de/maxingpro-ea

Wie programmiert man einen EA, damit Range-Ausbrüche nur auf Schlusskursbasis getradet werden?

In diesem Blogpost zeige ich Ihnen, wie Sie einem Expert Advisor (EA) für MetaTrader 4 (MT4) sagen können, dass er Signale nur auf Schlusskursbasis handeln soll. Das bedeutet, dass zum Eröffnungstick einer jeden Kerze der gerade festgestellte Kerzenschluss der Vorperiode analysiert wird. Das geschieht dann anstelle der ständigen Tick-für-Tick-Beobachtung.

Ein Beispiel anhand unseres mFX-HochTiefAusbruch EA's: dieser vergleicht bislang bei jedem Kurstick, ob der aktuelle Bid-Kurs höher oder tiefer als die Handelsspanne der letzten 24 abgeschlossenen Kerzen liegt, wobei die Periodenanzahl '24' einstellbar ist durch den EA-Nutzer. Wenn ein Kursausbruch aus dieser gleitenden Range auf dieser kontinuierlichen Beobachtungsbasis vorliegt, tradet der EA vollautomatisch in Ausbruchsrichtung.

Was aber, wenn Sie als Trader auf den Schlusskurs warten und damit eine eindeutige Signalbestätigung erhalten möchten, um viele voreilige Fehlsignale herauszufiltern? (Eine sehr ähnliche Schlusskurs-orientierte Ausbruchsstrategie hat übrigens die legendären Turtle Trader aus Chicago berühmt und reich gemacht.)

Um ein Chart-Beispiel für Ausbruch auf Schlusskursbasis und Fehlausbruch auf kontinuierlicher Beobachtungsbasis zu betrachten, sehen Sie sich bitte obiges Video von Minute 0:27 bis Minute 1:24 an. Dann sehen Sie sofort, was ich meine.

Jetzt zeige ich Ihnen die Elemente im MQL4-Code des EA's, die notwendig sind, um dieses Ziel zu erreichen. Geänderte oder neue Codebestandteile werde ich dabei in Fettschrift darstellen.

Schritt 1: EA-Datei unter neuem Namen abspeichern und Versionsnummer und Datum ändern

Zunächst öffnen wir die mq4-Datei des EA's mFX-HochTiefAusbruch, die wir schon haben, und speichern sie unter einem neuen Namen (mFX-HochTiefAusbruch_v1.50) ab. Damit stellen wir sicher, dass wir jederzeit zur Ausgangs-Version v1.40 zurück kehren können, von der wir wissen, dass sie einwandfrei funktioniert.

Nun ändern wir die Versionsnummer und das Erstellungsdatum ab, um unsere Arbeit im EA jederzeit identifizieren können. Die geänderte Code-Zeile lautet:

#property version "1.50" // 14.08.2018

Die neue Versionsnummer in Anführungszeichen wird nun im Reiter "Allgemein" des EA-Eigenschaften-Fensters ohne Anführungszeichen angezeigt.

Schritt 2: Neue Eingabevariable definieren

Wir fügen nun im Code-Block der Eingabevariablen eine neue durch den EA-Nutzer in den EA-Eingaben einstellbare boolesche Variable ein, also ein True/False- bzw. An/Aus-Schalter. Damit können wir später in der Nutzung des fertigen EA's zwischen alter und neuer Version hin und her springen, z.B. um in Tests festzustellen, in welcher Marktphase die ständige Ausbruchsbeobachtung besser ist und wann wir lieber die Schlusskursbetrachtung bevorzugen sollten.

Die neue, eingefügte Code-Zeile lautet:

extern bool AusbruchNurAufSchlusskursBasis = true ;

Schritt 3: Eröffnungstick einer neuen Kerze erkennen

Als nächstes benötigen wir einen Mechanismus, der feststellt, wann eine neue Kerze eröffnet wurde. Denn im Moment der neuen Kerzeneröffnung liegt uns effektiv ein gerade abgeschlossener Kerzenschlusskurs vor, den der EA auf Range-Ausbruch hin untersuchen soll.

Dazu brauchen wir zunächst eine neue Datum-und-Zeit-Variable (Variablentyp "datetime" in MQL4) auf globaler Basis, also außerhalb aller Funktionen definiert. Diese Variable kann somit in der OnInit-Funktion einen ersten Wert erhalten, der dann einfach in der OnTick-Funktion verwertet werden kann.

Wir nennen sie "CurrentTimeStamp", also der Zeitstempel der aktuellen Kerze, und fügen diese Variable im relevanten Code-Block zu schon bestehenden, global verfügbaren datetime-Variablen des EA's hinzu:

datetime SignalTime, Waitzeit, WaitzeitTP, CurrentTimeStamp ;    

Schritt 4: neue Variable mit erstem Wert belegen  

In der OnInit-Funktion, die einmalig bei jedem Start des EA's durchlaufen wird, lassen wir den EA nun die neue Variable CurrentTimeStamp mit dem ersten Wert belegen. Das nennt sich auch "initialisieren".

Innerhalb der geschweiften Klammern der OnInit-Funktion fügen wir folgende Code-Zeile ein:

CurrentTimeStamp = Time[0] ;

Time[0] fragt den Zeitstempel (Time) der aktuellen Kerze ([0]) ab. Time[1] wäre der Zeitstempel der zuletzt abgeschlossenen Kerze, Time[2] der davor etc.

Schritt 5: Tick für Tick den Chart auf neue Kerze hin überprüfen

Nun bewegen wir uns zur OnTick-Funktion. Das ist der Code-Bestandteil, in dem Sie definieren, was der EA bei jedem Empfang eines Kursticks des gewählten Chartsymbols berechnen und ausführen soll.

Hier überprüfen wir nun jeden Tick, ob der Zeitstempel der aktuellen Kerze noch dem in der Variable CurrentTimeStamp festgehaltenen Wert entspricht. Wenn ja, befinden wir uns offensichtlich noch in der selben Kerze wie zum vorherigen Tick. Wenn nein, was in MQL4 durch die Zeichenkombination != geprüft wird, dann ist soeben eine neue Kerze eröffnet worden.

In diesem letzteren Fall müssen wir eine zuvor neu definierte Wahr-Falsch-Variable NewBar (englisch für neuer Balken, neue Kerze) für diesen einen Kurstick auf WAHR (true) stellen sowie die CurrentTimeStamp-Variable auf den jetzt vorhandenen Zeitstempel anpassen.

Das alles geht folgendermaßen:

bool NewBar = false ;
if (Time[0]  != CurrentTimeStamp)
   {
   NewBar = true ;
   CurrentTimeStamp = Time[0] ;
   }

Für den Rest des OnTick-Codes, also alles, was unterhalb dieses eben eingefügten Code-Blocks geschrieben ist, kann nun die Variable NewBar, die nun exakt einen Tick lang auf True steht, als Hinweis auf die Kerzeneröffnungs-Situation verwertet werden.

Schritt 6: Handelssignal auf beide Ausbruchsmethoden anpassen

Den bestehenden Code, der ein Ausbruchs-Handelssignal in der kontinuierlichen Betrachtungsmethode auslöst, müssen wir nun daraufhin anpassen, dass er nur noch dann durchlaufen wird, wenn eben diese Ausbruchsmethode ausgewählt ist. Wir erinnern uns an Schritt 3: das wird dadurch durch den EA-Nutzer gesteuert, dass die Eingabevariable AusbruchNurAufSchlusskursBasis auf False gesetzt wird.

Das fragen wir nun so ab:

if ( !AusbruchNurAufSchlusskursBasis && Bid > LongLevel && HandelsRichtung >= 0 ) LongSignal = true ;
if( !AusbruchNurAufSchlusskursBasis && Bid < ShortLevel && HandelsRichtung <= 0 ) ShortSignal = true ;

Hinweise: LongLevel und ShortLevel sind Variablen, die aus Range-Untergrenze bzw. Range-Obergrenze ermittelt werden, siehe weiter unten. HandelsRichtung ist eine Eingabevariable des EA's, die die erlaubte Handels-Richtung definiert, also Long (1), Short (-1), oder Long&Short (0).

Nun ergänzen wir Code für den Fall, dass AusbruchNurAufSchlusskursBasis auf True eingestellt ist:

if ( AusbruchNurAufSchlusskursBasis && NewBar && Close[1] > LongLevel && HandelsRichtung >= 0 ) LongSignal = true ;
if ( AusbruchNurAufSchlusskursBasis && NewBar && Close[1] < ShortLevel && HandelsRichtung <=0 ) ShortSignal = true ;

Damit fragen wir nun diese Ausbruchslogik nur einmal pro Kerze ab (NewBar, also zum ersten Tick einer Kerze) und vergleichen dann den gerade festgestellten Schlusskurs (Close[1]) mit der Range.

Schritt 7: Range aus den richtigen Kerzen ermitteln

Kommen wir nun zur Range-Ermittlung, also zur Berechnung der Variablen LongLevel und ShortLevel. Diese müssen wir nun noch so anpassen, dass sie bei der Schlusskurs-basierten Verwendung unseres Ausbruch-EA's die Range aus den richtigen Kerzen ermittelt.

Wir befinden uns ja im Moment der Kerzeneröffnung schon in einer neuen Kerze, wollen aber nun die Vorkerze mit den vor dieser Vorkerze liegenden Extremkursen vergleichen. Daher müssen wir die Höchst- und Tiefstkursabfrage um eine Kerze nach links verschieben, den Abfrage-Shift also um eins erhöhen.

Das machen wir so:

int barshift = 0 ;
if ( AusbruchNurAufSchlusskursBasis ) barshift = 1 ;
double RangeUp = High [ iHighest ( NULL, 0, MODE_HIGH, HochTief_Perioden, 1+barshift ) ] ;
double RangeLo = Low [ iLowest ( NULL, 0, MODE_LOW, HochTief_Perioden, 1+barshift ) ] ;
double LongLevel = RangeUp + ( Puffer_Pips * UsePoint ) ;
double ShortLevel = RangeLo - ( Puffer_Pips * UsePoint ) ;

LongLevel und ShortLevel werden in dieser Programmierweise durch einen Zwischenschritt berechnet. Zunächst berechnen wir die Variablen RangeUp und RangeLo, die den höchsten Höchstkurs bzw. den tiefsten Tiefstkurs innerhalb der durch die Eingabevariable HochTief_Perioden in Anzahl Kerzen definierten Rangedauer zugewiesen bekommen. Danach adjustieren wir die Range noch um einen manuellen Puffer, der durch die Eingabevariable Puffer_Pips in Pips vom EA-Nutzer definiert wird. UsePoint enthält dann unsere Pip-Definition: 1 Pip = 0,0001 Kursbewegung, wenn 4- oder 5-stellig quotiert wird; 1 Pip = 0,01 Kursbewegung, wenn 3-stellig quotiert wird; 1 Pip = 1,00 Kursbewegung, wenn 0-, 1- oder 2-stellig quotiert wird.

Diese sieben Schritte sind nun im MQL4-Code für den EA mFX-HochTiefAusbruch eingefügt, wodurch Sie nun ab sofort in Deals einsteigen können, so wie die Turtle Traders aus Chicago es getan hätten - nur mit dem klitzekleinen Unterschied, dass Sie es mit einem EA voll automatisch haben können anstatt manuell die Märkte überwachen zu müssen.

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Herzliche Grüße und beste Wünsche für Ihr eigenes Trading
Ihr Cristof Ensslin von mindful FX, Ihr EA-Programmierer

Drawdown, Profitfaktor, Rendite und Gewinn: Trading-Ergebnisse unter der Lupe

Letzte Woche in meinem Blog Top 3 Erfolgs- und Risiko-Maße im EA Trading bat ich um Ihre Mitarbeit, um eine Wortwolke (Wordcloud) zu erstellen mit den wichtigsten 3 Maßstäben, an denen wir alle unsere EAs statistisch messen können.

Vielen Dank für Ihre super Mitwirkung! Sie sind spitze!

Stand heute (in den Morgenstunden des 12.7.2018) gaben insgesamt 30 Trader Ihre Stimmen ab. Daraus erstellte uns Mentimeter vollautomatisch und im Handumdrehen folgende Wortwolke:

Die Anzahl der gleichen Stimmabgaben bestimmt die Größe des Eintrags im Layout der obigen Wortwolke. Gold und Silber sind eindeutig vergeben, der dritte Platz ist meiner Interpretation nach geteilt:

  1. Drawdown
  2. Profitfaktor
  3. Gewinn in Kontowährung
    Rendite p.a.

Was mir gleich auffällt, ist, dass meine EA-Trader-Community das Risiko einer Trading-Strategie als wichtigstes Erfolgskriterium im Blick hat. Das lässt mein Herz höher schlagen und die Hoffnung steigern, dass wir hier gemeinsam Stück für Stück uns in die 10% der erfolgreichen Trader reinarbeiten. Denn simpel, aber wahr: wer den maximalen Rückgang des Kontowerts gering hält, hat es einfacher, verlorenen Boden wieder gut zu machen.

Der Profitfaktor kombiniert elegant die Trefferquote und den durchschnittlichen Gewinn und Verlust eines Trading-Robots und ist somit sehr nützlich. Zusammen mit Gewinn und Rendite sollten diese vier Risiko- und Erfolgs-Maßstäbe dem ernsthaften EA-Trader einen guten Einblick geben, um eine Strategie bewerten zu können.

In den kommenden Wochen und somit Blog-Artikeln werde ich Drawdown, Profitfaktor, Rendite und Gewinn ausführlich (und hoffentlich leicht verständlich) erklären.

Bleiben Sie also informiert, indem Sie sich hier rechts in meinen wöchentlichen Infomail-Verteiler eintragen. Es wird sich lohnen. Denn nur wer die harten Fakten seiner EAs kennt, versteht und daraus Konsequenzen zieht, kann ständig dazu lernen und ein immer besserer Trader werden.

Herzliche Grüße und bis nächsten Freitag
Ihr Cristof Ensslin von mindful FX, Ihr EA-Programmierer

Automatisierung des Recovery Zone Systems mittels Trading-Robot, speziell als EA für MT4.

In den letzten drei Blog-Artikeln haben wir ausführlich über das Recovery Zone Trading System gesprochen. Auch als Zone Recovery oder Hedge Zone bekannt, zielt dieser Algorithmus mit Hilfe einer Dealserie mit sich anpassenden Lotsizes (Handelsvolumina) darauf ab, aus jeder Position mit einem festgelegten Mindest-Gewinn auszusteigen, falls sie nicht ins angedachte Gewinnziel läuft, sondern sich in den Verlust bewegt.

Lesen Sie dazu den Artikel Recovery Zone verspricht jeden Deal mit Gewinn zu schließen.

Wie genau sich das Nominalvolumen der Folgedeals ermittelt, haben wir mittels einer simplen Formel kennen gelernt. Sie beinhaltet vier Elemente:

  1. die Größe der Recovery Zone
  2. die bislang durch Drehen der Position aufgelaufenen Verluste
  3. die Kursdistanz, die jeder Deal als Gewinnziel erhält
  4. der Mindestgewinn, mit dem wir uns im Fall der Recovery Zone Verwendung begnügen.

Dazu habe ich Ihnen ein kostenfrei verwendbares Spreadsheet vorbereitet, das Sie in diesem Artikel abrufen können: Recovery Zone Spreadsheet: Lotsize- und Risiko-Berechnungen schnell durchführen.

Letzte Wochen haben wir in einer Analyse der Marktphasen dann einen ersten Eindruck gewonnen, wann dieses Handelssystem vielversprechend ist versus wann es hohe Risiken birgt.

In einem Satz ausgedrückt: in Phasen steigender Volatilität, z.B. gemessen am 14-Tages-ATR, bringt ein Deal, der mittels Recovery Zone Systematik gemanagt wird, mit hoher Wahrscheinlichkeit Gewinn ein.

Alle Details dieser Marktphasenanalyse, die ich mit unserem mFX-RecoveryZone Expert Advisor (EA) auf einem EURUSD-Chart im Strategietester des MetaTrader 4 (MT4) durchführte, können Sie hier nochmal nachlesen: Meine Einschätzung zu den passenden Marktphasen für das Recovery Zone System.

Wie lässt sich das Recovery Zone Prinzip mittels Trading-Robot automatisieren?

Obwohl eine manuelle Umsetzung des Recovery Zone Algorithmus möglich ist, ist es ratsam, eine solche Technik zu automatisieren. Das bringt Schnelligkeit, Emotionslosigkeit und Präzision in der Umsetzung.

Daher haben wir für uns und Sie einen EA für MT4 namens mFX-RecoveryZone produziert, der

  1. in allen oben genannten Punkten individuell eingestellt werden kann,
  2. daraus die Lotsizes der Dealserie vollständig autonom ermittelt,
  3. das theoretische Maximalrisiko des Recovery Zone Setups vorab berechnet und uns darüber vor dem ersten Deal informiert und
  4. der dann die Strategie in Manier eines Trading-Robots automatisch umsetzt.

Dazu muss der Trader selbst nur noch die passende Marktphase für das gewählte Asset finden und sicherstellen, dass der EA ständig mit seinem Broker verbunden ist - z.B. über Verwendung eines VPS, auf dem der EA und der MT4 installiert und mit dem korrekten Konto eingeloggt ist.

Aktuelles Einsatzbeispiel

Nach ein bisschen Suche konnte ich den EURAUD-Chart als guten Kandidaten identifizieren. Im Tages-Chart steigt die Average True Range (ATR) der letzten 14 Tage eindeutig an. Hier kann ich nun zum Beispiel folgende Einstellungen vornehmen:

  1. Kursdistanz, die jeder Deal als Gewinnziel erhält: 100% der aktuellen ATR = 122 Pips
  2. Größe der Recovery Zone: 50% der aktuellen ATR = 61 Pips
  3. Anfängliche Lotsize 1.0 Lots, also 100.000 EUR Nominalvolumen.
  4. Mindestgewinn, mit dem wir uns im Fall der Recovery Zone Verwendung begnügen: 10% der aktuellen ATR = 12,2 Pips (bzw. 12.2 im englischen Zahlenformat)
  5. Als maximale Dealserien-Länge wähle ich zunächst 10 Deals.
  6. Falls mathematisch Lotsizes mit mehr als 2 Nachkommastellen errechnet werden, sollen diese aufgerundet werden.

Wenn ich nun auf OK klicke, kalkuliert der EA zunächst die Lotsizes der aus den eingegebenen Variablen nach der besprochenen Formel resultierenden Dealserie. Danach kann er das Maximalrisiko dieses Setups in Kontowährung sowie Prozent des aktuellen Kontowerts ermitteln, jeweils aufgerundet auf de nächst-höhere ganze Zahl. Das Ergebnis zeigt der Trading-Robot uns sogleich an:

Mir persönlich sind 21% des aktuellen Kontowerts zu viel Risiko, auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit für diesen Verlust sehr gering ist. Daher klicke ich vorerst auf "Nein".

Daraufhin wird der EA deaktiviert, wodurch keinerlei Deals geöffnet werden können. Er verbleibt aber auf dem Chart, um die eben gemachten Einstellungen zu speichern. Mit F7 auf der Tastatur gelange ich wieder in die Experten Eigenschaften zu den Eingaben der Variablen. 

Da ich an den Pip-Abständen (Recovery Zone / SL, TP-Distanz und Kursgewinn der Dealserie= nichts ändern möchte, reduziere ich die Startlotsize von 1.0 auf 0.5. Außerdem verkürze ich die Dealserie von maximal 10 auf maximal 6: 

Die Dealserien-Verkürzung erhöht die Verlustwahrscheinlichkeit ein wenig. Das bekomme ich dadurch "entlohnt", dass ich ein deutlich niedrigeres Verlustrisiko habe. Außerdem habe ich ja schon durch die Wahl der Marktphase einer an der ATR gemessen steigenden Vola meine Erfolgschance maximiert.

Folgende Werte hat der mFX-RecoveryZone EA nun mit den veränderten Parametern in Sachen Dealserien-Lotsizes und Maximalrisiko berechnet:

Mit 2% Risiko auf das aktuelle Kontoequity bezogen kann ich leben. Das Risiko gehe ich ein und klicke auf den Ja-Knopf des Dialogfensters, das mir der EA so schön vorgelegt hat.

Nun kann es los gehen, indem ich entscheide, ob mit Buy oder Sell von 0.5 Lots gestartet werden soll:

Ich gehe derzeit, sagen wir, von tendenzieller Euro-Schwäche aus. Daher starte ich mit 0.5 Lots Sell, indem ich auf den roten der beiden Buttons rechts im Chart klicke.

Ein Bestätigungsdialog fragt mich, ob ich das auch wirklich tun möchte - denn es könnte ja sein, dass ich aus Versehen den Buttonklick ausgelöst habe. Auch habe ich nochmal die Chance sicherzustellen, dass ich noch keine anderen Deal oder Dealserien mit der eingestellen MagicNumber 180403 (s.o. in den Screenshots mit den Variablen Eingaben in den EA Eigenschaften, wo Sie neben der Einstellung der MagicNumber, anhand derer der EA seine eigenen Deals wieder erkennt, übrigens auch diesen Bestätigungsdialog ausschalten können) offen habe:

Alle Checks sind meines Erachtens erfolgreich absolviert, also klicke ich auf OK. Dadurch wird sofort eine Market-Order Sell 0.5 Lots in meinem Demokonto eröffnet. Sekundenbruchteile später übermittelt der EA mFX-RecoveryZone den SL für diesen ersten Sell-Deal, Deal Nr. 1 der Dealserie. Auf gleichem Kurslevel wie der SL wird zudem eine BuyStop-Order platziert, Deal Nr. 2 der Dealserie, mit den Berechnungen entsprechender Lotsize. Außerdem zeichnet der EA die Recovery Zone (innere rote Linien) sowie die Gewinnziele für Buy und Sell (äußere rote Linien) ein:

Ab diesem Moment läuft nun alles voll automatisch durch den Trading-Robot. Sollte der Kurs nach oben gehen und sowohl Sell SL als auch Buy Stop erreichen, wird Deal Nr. 1 geschlossen und die Recovery Zone beginnt. Deal Nr. 2 ist nun nicht mehr Buy Stop, sondern ein Buy. Der EA platziert dann sofort eine Sell Stop Order mit der vorher ermittelten Lotsize für Deal Nr. 3.

Wird nun beim letzten Deal der Dealserie, in unserem Beispiel Deal Nr. 6, wieder das andere Ende der Recovery Zone oder aber hoffentlich vorher das obere oder untere Gewinnziel erreicht, in unserem Beispiel bei entweder 1,58872 AUD pro EUR oben oder 1,55822 AUD pro EUR auf der Unterseite, ist die Dealserie beendet. Es werden vom EA wieder der blaue BUY- und der rote SELL-Button eingeblendet. Der EA wartet also nach Beendigung der Dealserie auf einen Eingriff des Traders, um erneut eine Dealserie zu starten.

Gleiches gilt, wenn uns die ganze Sache schon vor Erreichen eines der gerade genannten, natürlichen End-Szenarien zu bunt wird und wir den "AllesSchliessen"-Button betätigen. Dieser wird eingeblendet, sobald eine Dealserie mit Buy oder Sell gestartet wurde.

Dass der EA-Nutzer wieder zur Tat gebeten wird, ist durchaus sinnvoll. Denn er kann so die Situation auf dem Chartsymbol (hier EURAUD) neu einschätzen, Chancen und Risiken aktuell abwägen und dann bewusst die gleiche Einstellung erneut verwenden, Variablen anpassen oder komplett das Chart wechseln.

Der Expert Advisor mFX-RecoveryZone für MetaTrader 4 kann übrigens auf bis zu 100 Charts gleichzeitig installiert werden und unabhängig voneinander laufen. Wenn unter allen Charts, die auf das gleiche Tradingkonto zugreifen, mehrere Charts das gleiche Symbol haben, achten Sie bei der Verwendung der EAs unbedingt darauf, dass Sie pro Chart mit gleichem Symbol unterschiedliche MagicNumbers vergeben. Nur so können diese Trading-Robots garantiert ihre eigenen Deals von denen anderer EAs unterscheiden.

Weitere Programmier-Möglichkeiten

Erweiterungen zu der im vorherigen Blog-Abschnitt beschriebenen EA-Programmierung sind durchaus möglich. Ideen dazu gibt es mannigfaltig. So könnte

  • ein Volatilitätsmaß eingebaut werden
  • Indikatoren zur Festlegung der Erstrichtung befragt werden
  • ein Regelwerk zur automatischen Ermittlung der Kursabstände für Recovery Zone und Gewinnziele integriert werden
  • die Folgerichtung andersartig alterniert werden, weil ja nicht unbedingt die Richtungsumkehr entscheidend ist, sondern es vielmehr auf Folge-Lotsize und Wegstrecke zum Take Profit Kurs ankommt.

Ich habe mich ob all dieser Freiheitsgrade bewusst dazu entschieden, den ab sofort unter http://www.mindfulfx.de/recoveryzone-ea auch für Sie im Sofortdownload verfügbaren MT4-EA mFX-RecoveryZone wie oben beschrieben vergleichsweise einfach zu halten. Daher

  1. ist er leicht zu bedienen
  2. bleibt er sehr erschwinglich
  3. können Sie seine Aktionen vollständig nachvollziehen

Wenn Sie die Variante MQ4 kaufen, können Sie dann sogar Ihre eigenen Ideen nach freiem Belieben als weitere Funktionalitäten in den EA einbauen oder einbauen lassen.

Alles Gute für Ihre Programmier- und Tradingaktivitäten
Ihr Cristof Ensslin von mindful FX, Ihr EA-Programmierer

Meine Einschätzung zu den passenden Marktphasen für das Recovery Zone System

In den letzten beiden Blogposts ging es um das so genannte Recovery Zone Prinzip, auch Zone Recovery oder Hedge Zone genannt, im Trading mit oder ohne Expert Advisor (EA). Es verspricht, jeden Deal mit Gewinn schließen zu können.

Zunächst zeigte ich Ihnen die Vorgehensweise selbst (Recovery Zone verspricht jeden Deal mit Gewinn zu schließen). Darauf folgte die letztwöchige Vorstellung eines Spreadsheets, mit Hilfe dessen Sie Chancen und Risiken (ja, die gibt es - die Recovery Zone ist kein heiliger Gral!) sowie die einzelnen Lotsizes der Deal-Serie schnell und zuverlässig berechnen können (Recovery Zone Spreadsheet: Lotsize- und Risiko-Berechnungen schnell durchführen).

So weit, so gut. Wie bei allen EAs bzw. Tradingmechanismen der Fall, ist auch das Recovery Zone Prinzip kein Selbstläufer. Es muss gezielt in bestimmten Marktphasen eingesetzt werden, um Erfolg zu bringen. 

Wir erinnern uns: durch den Richtungswechsel am jeweils gegenüber liegenden Ende der Recovery Zone sind wir quasi unabhängig davon, in welche Richtung die Reise des Kurses im Endeffekt geht. Ob hoch oder runter, wir können in beiden Szenarien unser Gewinnziel erreichen. Dafür darf das Asset (z.B. EURUSD, Dax-CFD, Gold etc.) aber nicht innerhalb der Recovery Zone gefangen sein, weil wir sonst durch den ständigen Richtungswechsel Verluste ansammeln, die Lotsize erhöhen müssen und irgendwann das gesetzte Maximalrisiko erreichen.

Um also die Wegstrecke in den Take-Profit-Abstand zurücklegen zu können, ohne vorher zu oft die Recovery Zone durchkreuzt zu haben, benötigt der Kurs ein Mindestmaß an Volatilität. Sehen wir uns fünf verschiedene Marktphasen an:

Marktphasencheck für Recovery Zone EA

#1: Kurs seitwärts bei niedriger, fallender Vola

#2: Kurs seitwärts bei niedriger, nur leicht fallender Vola

#3: Kurs tendiert aufwärts bei stark ansteigender Vola

#4: Kurs seitwärts mit Swings, bei hoher, aber fallender Vola

#5: Kurs tendiert abwärts bei leicht ansteigender Vola

Fazit

Das Recovery Zone Prinzip ist in einer ruhigen oder ruhiger werdenden, seitwärts laufenden Marktsituationen auf alle Fälle zu vermeiden. Wie volatil die Marktphase ist, haben wir dabei anhand der Average True Range (ATR) gemessen, die als Standard-Indikator im MetaTrader 4 und 5 mitgeliefert wird.

Profit-versprechend ist das Trading mit einer Recovery Zone Dealserie in der Regel dann, wenn:

  • für die gewählten SL- und TP-Einstellungen der Systematik bzw. des EA's eine genügend hohe Volatiltät vorliegt
  • die Volatilität tendenziell ansteigt
  • ein klarer Abwärts- oder Aufwärtstrend mit stabiler oder steigender Volatilität vorliegt.

Es folgt nächste Woche ein weiterer Artikel zum Thema Recovery Zone. Darin stelle ich Ihnen vor, wie dieser Handelsalgorithmus mittels EA für MT4 automatisiert werden kann. Ich zeige Ihnen unseren Recovery Zone-EA mFX-RecoveryZone, der übrigens all die Risikoberechnungen aus dem kostenlosen Spreadsheet von letzter Woche schon eingebaut hat und den Nutzer in eleganter Art und Weise vor dem ersten Trade entsprechend informiert. Seien Sie gespannt und klicken zum Lesen auf diesen Link!

Alles Gute, bis nächste Woche
Ihr Cristof Ensslin von mindful FX, Ihr EA-Programmierer

Recovery Zone Spreadsheet: Lotsize- und Risiko-Berechnungen schnell durchführen

Nach der letztwöchigen Einführung ins Recovery Zone Prinzip fürs Trading von beliebigen Assets, innerhalb und außerhalb von MetaTrader 4 (MT4), sowie mit oder ohne Expert Advisor (EA), gibt es heute wie versprochen Zugang für Sie zu einem sehr nützlichen und zielführenden Spreadsheet. Mit Hilfe dieser Tabellenkalkulation können Sie:

  1. Lotsizes der Folgedeals berechnen, je nach gewählter Kurs-Abstände, und
  2. Ihr Maximal-Risiko erkennen, je nach maximaler Länge der Dealserie und verwendeter Startlotsize.

Das Spreadsheet habe ich für Sie bei Google Docs hinterlegt, so dass Sie es entweder dort verwenden, sich in Ihre persönliche Google Drive "Meine Ablage" abspeichern oder sich unter

Datei -> Herunterladen als

im gewünschten Format, z.B. MS Excel oder OpenOffice Calc, herunterladen können.

Wichtige Hinweise: Spreadsheet-Brechnungen ohne Gewähr, Verwendung auf eigenes Risiko. Nur die Werte in den türkis hinterlegten Eingabefeldern verändern!

Sind Sie bereit?

Dann machen wir uns gleich ans Eingemachte und besprechen ein paar Szenarien, wie das Spreadsheet zu verwenden ist und Sie Ihre eigenen Lotsize- und Risiko-Berechnungen zum Recovery Zone Forex Trading durchführen können.

Beginnen wir mit dem Szenario von letzter Woche:

  1. Recovery Zone, also Erstdeal Buy#1 schließen und gleichzeitig den ersten Hedgedeal Sell#2 öffnen, bei 50 Pips = 0,0050 Kursdifferenz Verlust.
    → Eingabe von 0,0050 in Eingabefeld 1. Recovery Zone / SL
  2. Auf die Erstlotsize von 1,0 Lots berechnet, wollen wir 10 Pips (=0,0010 Kursdifferenz) Gewinn machen, wenn die Recovery Zone aktiviert und somit mindestens ein Hedge notwendig wird
    → Eingabe von 0,0010 in Eingabefeld 2. Zielgewinn Dealserie.
  3. Der TP-Abstand für die Deals ist 100 Pips, also 0,0100 Kursdifferenz. Ob Erstdeal oder Folgedeals, sobald ein Deal 100 Pips Gewinn gemacht hat, wird die Dealserie beendet.
    → Eingabe von 0,0100 in Eingabefeld 3. TP Kursstrecke
  4. Erstdeal Buy EURUSD mit 1,0 Lots
    → Eingabe von 1,0 in Eingabefeld 4. Startlotsize

Eingabefelder 5 bis 7 lassen wir zunächst wie sie voreingestellt sind. Daraus ergibt sich folgendes Bild:

Sie sehen nun auf einen Blick:

  1. Ihr maximaler Verlust, der Auftritt, wenn alle fünf Positionen in den SL laufen: bei EURUSD also 2.940,00 USD.
  2. Ihr Gewinn, wenn der Erstdeal in den unter 3. TP Kursstrecke eingestellten Take-Profit läuft: bei EURUSD und 1,00 lots sind dies 1.000 USD.
  3. Ihr Gewinn, wenn der Erstdeal in den SL läuft und somit die Recovery Zone-Dealserie getriggert wird: bei EURUSD mit Dealserien-Zielgewinn von 10 Pips sind dies 100 USD.
  4. Die auf- bzw. abgerundeten (wie unter 7. Lotrundung eingestellt) Lots aller Positionen untereinander sowie deren Richtung.

Feine Sache, finden Sie nicht auch?

Diese schnelle Übersicht gibt Ihnen die erwarteten Zahlen in den verschiedenen Gewinn- und Verlust-Szenarien. Daraus leiten Sie dann selbst ab, wie hoch die jeweiligen Eintrittswahrscheinlichkeiten in der aktuellen Marktlage sind und ob die Gewinnchance Ihnen das Verlustrisiko wert ist.

Spielen Sie nun mit den Eingabe-Variablen

Nun spielen Sie einfach mit den Eingabe-Variablen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie sich deren Veränderungen auf das Chance-Risiko-Profil auswirken. Damit finden Sie sicherlich eine Kombination, die für das gewünschte Handelssymbol, dessen Marktphase sowie Ihre Profit-Erwartungen und Risiko-Verträglichkeit passend ist.

Beispiel 1: Recovery Zone verbreitern

Wenn wir einen größeren SL-Abstand verwenden, verbreitert sich die Recovery Zone entsprechend. Gleichzeitig steigt das Maximalrisiko stark an. Verdoppeln wir die Recovery Zone von 50 auf 100 Pips erhöht sich unter maximaler Verlust von unter 3 TUSD auf über 17 TUSD! Das ist überproportional und somit sehr heikel.

Vorsicht ist angesagt, obwohl natürlich die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass wir in einem höher-volatilen Seitwärtsmarkt gefangen werden.

Grund für das höhere Gesamtrisiko ist die deutlich schnelleren und stärkeren Lotsize-Zuwächse von Position zu Position, die die höheren Verluste aufzuholen versuchen. Sehen Sie selbst im Spreadsheet:

Beispiel 2: höherer Zielgewinn für die Dealserie

Der Zielgewinn für die gesamte Dealserie ist ein deutlich sanfterer Hebel. Verdoppeln wir ihn von 10 auf 20 Pips, verdoppelt sich der Gewinn der Dealserie entsprechend von 100 auf 200 USD bei 1,0 Lots in EURUSD, siehe folgender Screenshot des Spreadsheets:

Im Vergleich mit dem Basisszenario (50 Pips Recovery Zone) erhöht sich das Maximalrisiko in Prozent ausgedrückt unterproportional von 2.940 USD auf gerade einmal 3.350 USD. Absolut betrachtet ist die Verlustrisikosteigerung von 410 USD aber dennoch höher als die 100 USD Gewinnsteigerung.

Beispiel 3: größerer Take-Profit-Abstand

Mit dem TP-Abstand, den jede Position als Kursgewinn erwirtschaften muss, haben wir wieder einen längeren Hebel in der Hand. Verdoppeln wir ihn von 100 auf 200 Pips, geschehen im Vergleich zum Basis-Szenario folgende Dinge:

  1. Der Maximalverlust sinkt um mehr als die Hälfte von 2.940 USD auf 1.370 USD.
  2. Der mögliche Gewinn mit dem Erstdeal, sollte dieser ins TP laufen, verdoppelt sich bei 1,0 Lots Startvolumen von 1 TUSD auf 2 TUSD.
  3. Die Lotsizes der Folgedeals bleiben lange auf verhaltenem Niveau: für alle vier Folgepositionen benötigen wir deutlich unter der Startlotsize liegende Nominalvolumen, wie Sie im nachfolgenden Screenshot des Spreadsheets deutlich sehen können.

Woran liegt dieses Phänomen? Ganz einfach: die Wahrscheinlichkeit, dass 200 Pips statt nur 100 Pips Take Profit erreicht werden, ist deutlich geringer. Insbesondere ist dies der Fall, wenn wir die Recovery-Zone-Bedingung hinzunehmen, dass, bis es zum TP kommt, die Recovery Zone höchstens vier mal (bei den eingestellten maximal fünf Positionen) durchquert werden darf.

Daraus ergibt sich ganz automatisch die Basis für das nächste und letzte Beispiel: was also, wenn wir an der maximalen Dealanzahl erhöhen?

Beispiel 4: mehr Folgedeals erlauben

Was passiert also, wenn wir mehr Folgedeals erlauben? Für dieses Beispiel nutzen wir als Vergleichsszenario Beispiel 3 (200 Pips TP-Abstand) und verdoppeln die maximal erlaubte Dealanzahl der Serie von fünf auf zehn Geschäfte. Im Screenshot, der folgt, sehen wir, dass sich dadurch nur am Maximalrisiko etwas verändert. Zu unseren Ungunsten wohl gemerkt:

Der Maximalverlust steigt überproportional an, wird mehr als verdreifacht durch die Dealanzahl-Verdopplung. Auf den ersten Blick scheint man also gar nichts dafür zu bekommen, dass man sein Risiko erhöht. Wie kann das sein?

Das unsichtbare Gut namens "Wahrscheinlichkeit" macht für das erhöhte Risiko wett. Es ist ganz einfach deutlich wahrscheinlicher, dass maximal 9 Recovery-Zone-Kreuzungen benötigt werden bis der 200 Pip TP-Fall eintritt als dass das ganze binnen nur 4 SLs geschieht.

Spezielles Setup: Martingale

Wenn Sie die ersten drei Eingabe-Felder

  1. Recovery Zone / SL
  2. Zielgewinn Dealserie
  3. TP Kursstrecke

mit identischen Werten versehen, ergibt sich übrigens das klassische Martingale-Profil der Positionsverdoppelungen bei jedem Stop-Loss-Ereignis. Beispiel 50 Pips:

Wann ist mit Erfolg und wann mit Maximalverlust zu rechnen?

Wenn Sie mit diesem Ansatz traden wollen, ist ein ganz wichtiges Thema, wie und wann das System einzusetzen ist - unabhängig davon, ob Sie es manuell oder mit einem RecoveryZone-EA umsetzen wollen.

Ein ständiger Dauerbetrieb des Systems wird einen mathematischen Erwartungswert vor Kosten von 0 haben - denn es gibt keinen "Free Lunch". Daher besprechen wir im nächsten Blog-Artikel bestimmte Marktsituationen und -phasen, in denen mit dem Recovery Zone Prinzip profitabel gearbeitet werden kann.

Möchten Sie eine wöchentliche Infomail, wenn unsere neuen Blog-Artikel druckfrisch erscheinen? Dann tragen Sie sich hier rechts in unseren Email-Verteiler ein.

Herzliche Grüße und langfristige Trading-Erfolge
Ihr Cristof Ensslin von mindful FX, Ihr EA Programmierer

Recovery Zone verspricht jeden Deal mit Gewinn zu schließen

Heute stelle ich Ihnen eine Systematik für das Trading von beliebigen Handelswerten, z.B. EURUSD, Gold oder Indizes, vor, die verspricht, jeden Deal mit Gewinn oder zumindest ohne Verlust beenden zu können. Dieser Algorithmus ist unabhängig von der gewählten Handelsplattform und Automatisierungen. Er kann also auf MetaTrader 4/5 (MT4/MT5) oder jeder anderen Trading-Software und bei jedem Broker verwendet werden, sowohl im manuellen wie auch im automatisierten Trading mittels eines Expert Advisors (EA).

Man beginnt mit einem Start-Deal, je nach Markteinschätzung oder Signal long oder short, z.B. in EURUSD. Das hier und heute Ihnen vorgestellte Handelssystem schließt den Erstdeal bei einem gewissen erreichten Verlust und eröffnet zeitgleich einen Hedge-Deal, also einen Deal in Gegenrichtung. Der Hedge-Deal hat ein an die Verlust-Situation und das Gesamt-Gewinnziel sowie den Take-Profit-Abstand angepasstes Volumen und kann weitere Hedge-Geschäfte nach sich ziehen.

Um genau zu sein, verspricht diese Vorgehensweise also nicht, jede einzelne Position mit Gewinn zu schließen, sondern zielt vielmehr darauf ab, dass die Gewinnsumme von Originalgeschäft + Hedge-Deal-Serie (beides zusammen im folgenden als "Dealserie" bezeichnet) einen vorgebbaren Mindestgewinn erreicht. Dieser mathematisch-logische Algorithmus ist nichts geheimes, obgleich einige Internet-Auguren mit ihm oder ähnlichem als heiligen Gral, der "top secret" ist, werben.

Ich habe bei meinen Recherchen mehrere Namensgebungen für dieses Konzept gefunden. Ob "Recovery Zone", "Zone Recovery" oder "Hedge Zone" - im Kern meinen diese alle das gleiche. Ich selbst habe mich für "Recovery Zone" zur weiteren Verwendung in diesem Blogpost entschieden.

Eines muss ich hier gleich klarstellen: eine Garantie auf Gewinn ist auch dieses System nicht. In bestimmten Marktphasen wird die mit der Zeit mathematisch zwangsläufig notwendige Volumenserhöhung von Hedge zu Hedge, je nach Einstellung früher oder später, auch das größte Konto ausreizen.

Damit Sie selbst für sich entscheiden können, ob so etwas wie die Recovery Zone etwas für Ihren eigenen Trading-Stil ist, zeige ich Ihnen in diesem und den nächsten Blog-Artikeln folgende Dinge:

  1. Alle Details des Systems selbst, mit hoffentlich genügend Rechenbeispielen, damit Sie es verstehen und vollkommen unabhängig anwenden können.
  2. Eine Tabellenkalkulation, die Sie sich kostenlos downloaden können, mit Videoeinführung zu deren Verwendung, um die notwendigen Trading- und Chance-Risiko-Berechnungen schnell durchführen zu können.
  3. Meine Einschätzung zu den passenden Marktphasen für das System, um unsere Gewinnchance damit zu maximieren.
  4. Automatisierungsmöglichkeiten mittels Trading-Robots, speziell als EA für MT4.

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Die Systematik der Recovery Zone

Das System der Recovery Zone soll Sie davor schützen, dass Sie bei einer Fehlentscheidung oder einem Fehldeal bzw. -Signal Verluste machen. Ein Beispiel:

Nehmen wir an, Sie starten aufgrund Ihrer Marktmeinung oder bestimmter Handelsregeln (ob mit oder ohne EA) eine Position in EURUSD z.B. long, platzieren also im MT4 eine Buy-Order. Wenn alles nach Plan verläuft, steigt der Kurs und Sie erreichen Ihr Gewinnziel oder Exitszenario. Die Recovery Zone bleibt im Gewinnfall des originalen Deals also komplett außen vor.

Läuft's aber gegen Sie, fällt der EURUSD-Kurs also in diesem Beispiel, realisieren Sie bei Erreichen einer durch Sie festgelegten Verlust-Pip-Anzahl einen Verlust und eröffnen eine Sell-Order. Läuft dieser Hedge ins festgelegte Gewinnziel (Take-Profit), wird der Hedge geschlossen und sein Gewinn und der Verlust des originalen Geschäfts saldieren sich zum erwarteten Gesamtgewinn.

Was passiert aber, wenn der Markt wieder dreht und die zuletzt eröffnete Sell-Order in den Verlust läuft?

Dann wird bei gleichem Verlust-Pip-Abstand, also theoretisch exakt am Einstiegskurs der originären Buy-Order, der erste Hedge geschlossen und ein weiterer Hedge eröffnet, diesmal aber in der Buy-Richtung. Es entsteht also eine Dealserie aus Original-Geschäft und Hedge-Deals, siehe folgender Chart-Screenshot.

Damit das alles sauber funktioniert und am Ende der erwartete Gewinn herauskommt, muss für jede einzelne dieser Hedge-Orders das korrekte Volumen, die korrekte Kontraktgröße bzw. Lotanzahl also, berechnet werden. 

Dazu gibt es eine Formel, vor deren Befüllung Sie drei Fragen beantworten müssen:

  • Bei wie viel Verlust-Pips wird gehedgt?
  • Welches Gewinn-Ziel soll für die Dealserie gelten, in Pips auf die originale Lotsize gerechnet?
  • Wie viel Gewinn-Pips darf der Hedge benötigen, um den Verlust der Vororder(s) auszugleichen und das Gewinn-Ziel der Dealserie zu erreichen?

Haben Sie diese Variablen festgelegt, kann nun für jede der möglichen Hedge-Orders die Lotsize berechnet werden.

Die Formel dazu ist recht einfach und lautet:

Summe von "Aufgelaufener Verlust (AV)" und "Gewinnziel nach Hedge (GZ)"
geteilt durch
"Gewinnstrecke der Hedgedeals (TP)",
dann alles multipliziert mit "Lotsize des originalen Deals (OL)".

Wichtig ist dabei, das "Aufgelaufener Verlust" und "Gewinnziel nach Hedge" als Pip-Anzahl bzw. Kursstrecke im Verhältnis zur Lotsize des Erstdeals ausgedrückt werden. Die "Gewinnstrecke der Hedgedeals" ist hingegen als einfacher, nominaler Kursgewinn (analog in Pips bzw. Kursstrecke) ausgedrückt.

Wieder ein Beispiel in EURUSD, um die Formel zu veranschaulichen:

  • Erstdeal Buy mit 1,0 Lots,
  • Recovery Zone von 50 Pips,
  • Gewinnstrecke der Hedgedeals soll 100 Pips sein,
  • Gewinnziel nach Hedge ist 10 Pips (auf Erstdealgröße von 1,0 Lots grechnet).

Kommt es zu einer Hedge-Serie durch Anwendung der Recovery Zone, begnügen wir uns also mit 10 Pips Gewinn auf die Erstlotsize gerechnet. Bei EURUSD sind 10 Pips pro 1 Lot (=100.000 EUR Nominalvolumen) 100 USD Gewinn (100.000 x 0,0010).

Zunächst das Szenario mit einem einzigen Hedge-Deal. Wenn der Kurs vom originalen Buy-Einstieg zunächst 50 Pips fällt, schließen wir den Buy-Deal und berechnen das hedgende Sell-Deal-Volumen mit

( 50 Pips (AV) + 10 Pips (GZ) ) / 100 Pips (TP) = 0,6. Das Ergebnis wird multipliziert mit 1,0 (OL), also erhalten wir 0,6 Lots für den ersten Hedge-Deal.

Hinweis: wenn Sie den Original-Deal offen lassen wollen, addieren Sie einfach das Originalvolumen zu diesen 0,6 Lots. Ich rate aber stark davon ab, denn Sie verschwenden ansonsten Finanzierungkosten (Swap), bezahlen unnötige Kommission (auf 1,6 statt 0,6 Lots) und je nach Berechnungsmethode des Brokers schränken Sie Ihre Handlungsfähigkeit durch zusätzliche Belegung freier Margin ein.

Das 100-USD-Gewinnszenario tritt bei einem Hedge-Deal bei einem weiteren EURUSD-Kursvervall von 100 Pips ein:
- 500 USD Verlust (50 Pips x 1,0 Lots des Erstdeals Buy)
+ 600 USD Gewinn (100 Pips x 0,6 Lots des Hedgedeals Sell).

Läuft der Hedgedeal Sell allerdings nicht in den angestrebten Take-Profit von 100 Pips, hat der Kurs offensichtlich wieder nach oben gedreht. Steigt der Kurs nun auf den Recovery Zone-Abstand von 50 Pips über dem Einstandskurs des Hedge-Sells, wird dieser geschlossen und ein neuer Buy eröffnet. Mit welcher Lotsize?

Zur Berechnung des Folge-Dealvolumens benötigen wir zunächst den aufgelaufenen Verlust in Pips, normalisiert auf die Erstlotsize:

Buy #1: Verlust von 50 Pips auf 1,0 Lots
Sell #2: Verlust von 50 Pips auf 0,6 Lots, was 30 Pips auf 1,0 Lots entspricht.

Der aufgelaufene Verlust (AV) ist also 50 Pips + 30 Pips = 80 Pips.

Diesen Wert verwenden wir nun in der Lotsize-Berechnungsformel für den Folgedeal, Buy #3:

( 80 Pips (AV) + 10 Pips (GZ) ) / 100 Pips (TP) = 0,9. Das Ergebnis wird wieder multipliziert mit 1,0 (OL), woraus wir 0,9 Lots für den zweiten Hedge-Deal erhalten.

Machen wir die Probe aufs Exempel: Wird Buy#3 mit 100 Pips Take-Profit geschlossen, haben wir in Summe

- 500 USD Verlust (-50 Pips x 1,0 Lots des Erstdeals Buy#1)
- 300 USD Verlust (-50 Pips x 0,6 Lots des ersten Hedgedeals Sell#2).
+ 900 USD Gewinn (+100 Pips x 0,9 Lots des zweiten Hedgedeals Buy#3).

= 100 USD Gewinn gemacht mit der gesamten Dealserie, ausgelöst durch das Engagement in den ersten Buy-Deal.

Die mathematische Logik dieser Formel ergibt folgende, allgemein gültigen Zusammenhänge:

  1. Je größer Sie die Recovery Zone wählen, desto größer wird der Aufgelaufene Verlust und umso schneller wachsen die Folge-Lotsizes an.
  2. Je größer der gewählte, angestrebte Dealserien-Gewinn, desto größer errechnen sich die Volumina der Folge-Deals.
  3. Je größer die Kursstrecke, die der Hedgedeal zurücklegen muss, um den angestrebten Dealserien-Gewinn zu erwirtschaften, desto kleinere Lotsizes entstehen.

Das alles ist nun erst mal nicht ganz so leicht zu verstehender Tobak. Ich habe ebenso einiges an Hirnschmalz und Zeit gebraucht, um das alles zu verstehen. Es ist aber 100% konsistent, der Mathematik sei Dank.

Um ein besseres Gefühl für die Zusammenhänge und die Möglichkeiten zu entwickeln, die sich aus diesem Ansatz ergeben, habe ich ein ausführliches Spreadsheet gebaut. Darin kann ich die oben genannten Variablen einstellen. Es errechnet mir dann alle Lotsizes sowie Chance und Risiko der Strategie.

Hier rechts im Text sehen Sie schon mal eine Vorschau darauf. Nächste Woche im Blog zeige ich es Ihnen detailliert.

Ein Geschenk an Sie als treuen Blogleser und Email-Newsletter-Abonnent: Sie werden komplett kostenfreien Zugriff auf die Tabellenkalkulation erhalten. Auf jeden Fall wird das OpenOffice Calc Sheet für Sie verfügbar sein. Ich lege mich ins Zeug, dass auch eine Version für Google Sheets verfügbar sein wird, die Sie dann auch als Microsoft Excel-Kopie herunterladen können.

Bis nächste Woche viel Erfolg in Ihrem Trading
Cristof Ensslin von mindful FX, Ihr EA Programmierer

Je längerfristig Ihr Handelsansatz, desto besser Ihre Chance auf Gewinn

Bei der Entwicklung von Handelssystemen, also Algorithmen, die exakte Ein- und Ausstiegsregeln definieren, ist es grundsätzlich gleichgültig, welchen Chart-Zeitrahmen Sie verwenden. Ob Sie 1-Stunden-Charts (jede Kerze, jeder Balken oder Linienpunkt entspricht der Handelsspanne von 1 Stunde), 1-Minuten-, Tages- oder gar Wochencharts betrachten, Sie werden auf ihnen allen Muster erkennen. Muster, die sich mal über einen längeren, mal über einen kürzeren Zeitraum wiederholen.

Aus solchen Anomalien, die meist nur temporär vorhanden sind, können Sie mit Hilfe daraus abgeleiteter Handelsregeln Trading-Robots, z.B. Expert Advisors (EAs) für MetaTrader (MT4/MT5), entwickeln oder entwickeln lassen. Daraus erhoffen Sie sich selbstverständlich, dass Sie von den erkannten Mustern Gewinn schlagen können.

Zwei Erkenntnisse bezüglich des gewählten Chart-Zeitrahmens (oft wird auch der englische Begriff timeframe dafür verwendet) müssen Sie dabei jederzeit beachten. Der gewählte Zeitrahmen hat Auswirkungen

  1. auf die Handelsfrequenz
  2. auf die Lebensdauer des Chartmusters.

Zunächst zum ersten Punkt. Wenn Sie ein Modell auf einem 5-Minuten-Chart entwickeln, ergeben sich normalerweise deutlich mehr Handelssignale als bei einem Tageschart. Eine einfache, aber oft übersehene Wahrheit, die sich daraus als logische Folge ergibt, ist diese: je höher die Handelsfrequenz, desto höher sind auch die Handelskosten, die erst einmal verdient werden müssen.

Hin und her macht Taschen leer.
— Börsenweisheit

Wenn wir davon ausgehen, dass ein Kurs sich meist zufällig entwickelt, bedeutet das einen Erwartungswert für Gewinn und Verlust eines Trading-Systems von null. Sprich: über eine längere Zeit betrachtet hat eine festgelegte Sammlung von Handelsregeln mal eine Gewinnphase, mal eine Verlustphase. Unterm Strich bringt das in den Regeln beschriebene Vorgehen weder Gewinn noch Verlust - vor Spread- und anderen Transaktionskosten, wohl gemerkt!

Wenn Sie aus den Ein- und Ausstiegskursen eines Systems den Spread und eventuelle Kommission herausrechnen, erhalten Sie den eigentlichen Kursgewinn des Systems. Im Devisentrading mittels eines MT4-/MT5-Brokers sind diese Kosten pro Deal oft nur eine gefühlte Kleinigkeit. Ein Grund, warum dies oft geflissentlich übersehen wird.

Aber auch Kleinvieh macht Mist, selbst wenn dieses "Kleinvieh" beispielsweise bei EURUSD durchschnittlich nur 0,01% vom Kurs ausmacht. Wenn Sie jeden Tag 10 mal eine Forex-Position mit Hebel 1 handeln, also z.B. bei Kontostand 10.000 EUR 0,1 Lots wählen, summieren sich Ihre Spreadkosten auf 0,1%. Wiederholen Sie das ein Jahr lang, also an 250 Handelstagen, kommen Sie auf sage und schreibe 25% Ihres Kontowerts, also im gerade aufgeführten Beispiel 2.500 EUR. Diese Zahl spricht für sich selbst.

Neben den Handelskosten spielt auch der zweite Faktor der Timeframe-Wahl eine große Rolle: die Lebensdauer des Chartmusters, auf dem Ihre Strategie und in Folge Ihr EA basiert.

Schon oft habe ich eindeutig wiederkehrende Formationen in kürzerfristigen Charts erkannt und einen MT4-EA dafür entwickelt. Nach wenigen Gewinn-Deals (wenn überhaupt!) stellte sich dann schnell das genaue Gegenteil ein - als hätte sich der Markt gegen mich verschworen. Ist Ihnen das auch schon so ergangen?

Je längerfristig der Chart-Timeframe war, in dem ich Systeme entwickelt habe, desto länger wiederholten sich die beobachteten Muster - die ich aus dem Blickwinkel der "Random Walk"-Theorie der Devisenmärkte guten Gewissens als Anomalien bezeichne.

Jede Anomalie wird über kurz oder lang Arbitrageure finden, die solange Vorteil daraus ziehen, bis zu viele Trader sie erkannt haben. Sie können natürlich ebenfalls dazu gehören, gar kein Thema. Sie sollten sich davor nur diese Frage stellen:

Wie oft will ich neue Strategien und Expert Advisors entwickeln?

Wenn Sie Ihren Zeit- und eventuell auch Geldeinsatz für die EA-Entwicklung über einen längeren Zeitraum amortisieren möchten, statt jeden Monat entweder etwas ganz neues entwickeln oder zumindest nach neuen Einstellungen für Ihre bestehenden Systeme suchen zu müssen, sollten Sie ganz klar auf längerfristige Charteinheiten gehen.

Ich selbst handle zwischenzeitlich nur noch im Tages- und Wochen-Chart, wenn es um Indikatoren- oder Kerzenformations-gestützte Trading Robots geht. Das verlängert Haltedauern und reduziert meine Dealanzahl. Ich beobachte dabei, dass die erkannten Chartmuster sich länger wiederholen und ich somit einen hohen Wirkungsgrad im Trading erziele.

Kurz gesagt: Je längerfristig Ihr Handelsansatz, desto mehr haben Sie die alles entscheidenden Themen Transaktionskosten und Strategie-Lebensdauer auf Ihrer Seite.

Ihnen alles Gute für Ihre Trades
Cristof Ensslin von mindful FX, Ihr EA-Programmierer

Signalbestätigung: Kerzenende abwarten oder sofort handeln?

Bei der Festlegung und Beschreibung einer Handelsstrategie stehen wir oft vor der Wahl, wann wir ein Signal handeln:

  • Warten wir auf das Kerzenende oder
  • handeln wir sofort, wenn das Signal auftritt.

Lassen Sie mich das am Beispiel eines MA-Crossover-Modells erläutern. Wenn der kurze gleitende Durchschnitt (GD, oder auch MA für englisch "Moving Average" genannt), z.B. GD10, den längeren gleitenden Durchschnitt, sagen wir GD20, von unten nach oben kreuzt, ergibt sich nach Lehrbuch ein Kaufsignal.

Diese Kreuzung ist vollständig und das Trading-Signal damit unwiderruflich, sobald die Kreuzungskerze beendet ist und eine neue Kerze begonnen hat. Das Signalereignis selbst geschieht aber natürlich schon früher, während die Kreuzungskerze noch läuft und sich Kurstick für Kurstick verändert.

Da sowohl der Kurs selbst als auch dessen MAs hoch und runter schwanken, kann die Kreuzung innerhalb einer Kerze sich wieder in Luft auflösen, erneut erscheinen und dann abermals verschwinden. Manchmal geschieht der MA-Crossover nur ein einziges Mal und bleibt bis zum Feststellen des Periodenschlusskurses bestehen. Oftmals geht es aber lustig hin und her, insbesondere wenn die beiden gleitenden Durchschnitte systematisch oder zufällig sehr nah beieinander liegen.

Systematisch ist dies der Fall, wenn wir zwei fast gleich schnelle gleitende Durchschnitte, z.B. MA5 und MA6, als Schneidewerkzeug wählen. Bei weiter auseinander liegenden Geschwindigkeiten der Moving Averages sind die MA-Sprünge von Kerze zu Kerze größer. Ein Zusammentreffen ihrer Werte mit fröhlichem Oktoberfest-Schunkeln ist daher eher zufälliger Natur, geschieht aber dennoch mit erstaunlicher Regelmäßigkeit.

Wenn wir also auf Kerzen-Schlusskurs-Basis die Signale auswerten, können wir die Chart-Historie betrachten und mit 100%-iger Zuverlässigkeit sagen, wann Signale vorlagen und wann nicht. Das ist ungemein wichtig für ein solides Backtest-Ergebnis - sei es im ersten Schritt visuell am Chart, um einen ersten Performance-Eindruck der Idee zu erhalten, oder später mit Hilfe eines Expert Advisors (EA) im Strategietester des MetaTraders (MT4/MT5).

Andererseits können wir in manch eine Kursbewegung viel schneller einsteigen, wenn wir schon innerhalb der Kreuzungskerze zuschlagen und ein Signal umsetzen. Das verspricht zusätzliche Gewinne. Es wird aber auf alle Fälle auch mehr Fehlsignale und somit Verlustdeals und Handelskosten mit sich bringen. Denn das oben beschriebene Hin und Her der Kurs- und MA-Ticks öffnet und schließt binnen einer Kerze zig mal Buy und Sell Deals, bevor eine Richtung festliegt. Jedes mal ist Spread, gegebenenfalls Kommission und ein minimaler Kursverlust zu berappen.

Kann sich diese Schnelligkeit dennoch lohnen? Ohne einen EA lässt sich dies aber fast nicht überprüfen. Zwei Vorsichtsmaßnahmen mahne ich dabei unbedingt an:

  1. Mit regulären, mitgelieferten Kursdaten unterschätzt der Strategietester des MT4 regelmäßig die Anzahl der Hins und Hers innerhalb einer Kerze. Nur wenn Sie in hochwertige Tickdaten investieren (z.B. bei Tickstory hier über unseren Partnerlink erhältlich), erhalten Sie einen realistischen Einblick in die Vergangenheit des EA's.
  2. Sie sollten in Ihrem EA einen Hin- und Her-Begrenzer einbauen. Damit können Sie selbst bestimmen, wie viele Buys und Sells Sie innerhalb einer Kerze zulassen. Dies gibt Ihnen mehr Kontrolle über Ihr maximales Risiko in solch knappen Signal-Situationen.

Letzteres hat bis einschließlich Version v1.34 auch in unserem MA-Crossover-EA mFX-MAXingPro gefehlt. Letzte Woche meldete sich aber ein Käufer des Expert Advisors bei uns mit eben diesem Erweiterungswunsch, indem er schrieb:

Vielleicht wäre es aber denkenswert, die Anzahl der maximalen Trades innerhalb der Kerze als Variable userabhängig zu machen. Wer nicht viel Hin und Her möchte, der macht entweder [SignalInnerhalbKerzeHandeln] false, oder nutzt true [mit MaxSignaleProKerze] 1 oder 2. Wem es egal ist, der kann auch höher gehen.
— mFX-MAXingPro Käufer Michael K.

Eingabefenster des mFX-MAXingPro EA's für MT4

Ein herzliches Dankeschön an Herrn K. für diese Anregung. Sie ist ab sofort umgesetzt und in Version v1.40 des MT4-EA's mFX-MAXingPro verfügbar.

Im Sreenshot des Eingabe-Fensters dieses MA-Kreuzungs-EA's (siehe rechts) sehen Sie die beiden Variablen rot eingekreist und dass diese frei durch den EA-Nutzer einstellbar sind. Mit SignalInnerhalbKerzeHandeln true/false (true = an, false = aus) können Sie die Kreuzungen innerhalb der Kerzen aktivieren. Mit MaxSignaleProKerze begrenzen Sie die dann die Signale pro Kerze.

Falls für Sie von Interesse: Klicken Sie hier, um sich über den MT4-EA mFX-MAXingPro, der die oben beschriebene MA-Crossover Strategie für Sie automatisiert, zu informieren und ihn sofort auf Ihren Rechner herunterzuladen.

Sollten Sie bei Ihrem eigenen Tradingsystem sofort intra-periodisch handeln oder doch lieber auf Signalbestätigung durch Kerzenschlusskurs warten?

Damit Sie eine Antwort darauf finden können, hier ein paar Anhaltspunkte und Gedankenanstöße:

  • Timeframe: in einem M1- oder M5-Chart können Sie wahrscheinlich eher den Schlusskurs abwarten als in höheren Zeitrahmen.
  • Haltedauer: wer scalpt, also nur minimale Kursbewegungen ausnutzen möchte, sollte wohl eher sofort handeln als eine Bestätigung abwarten.
  • Geduld: je nach eigenem Geduldsvermögen ist der eine oder andere Handelsstil durchhaltbar.
  • Backtest-Fähigkeit: schnellere und qualitativ zuverlässigere Backtests erzielen Sie mit dem Kerzenende. Wenn Sie aber eh keine Backtests machen und lieber mit Live-Tests auf Demokonten arbeiten, ist es aus dieser Hinsicht einerlei.

Letzten Endes können aber nur Sie selbst diese Frage beantworten. Denn es gibt keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Bewerten Sie Ihren eigenen Handelsstil, Ihre Vorlieben und natürlich die Tradingstrategie selbst. Dann testen Sie. Testen Sie, testen Sie, testen Sie!

Herzliche Grüße und frohes Trading wünscht Ihnen
Cristof Ensslin von mindful FX, Ihr EA-Programmierer

Risiko runter!

Heute (ich schreibe diese Zeilen am 12. Februar 2018) ist mein erster regulärer Arbeitstag nach kleiner Auszeit. Vor zwei Wochen hielt ich die Januar-Ausgabe unseres MQL4-Intensivkurses – EA-programmieren lernen. Danach ein paar Tage Buch schreiben mit meinem Trading-Partner im Hochschwarzwald (herrlich verschneit). Dann noch zwei ausführliche Programmier-Coaching Sessions mit Kunden, die den von mir erstellten Code besser verstehen möchten, um eigens weiterentwickeln zu können. Und schlussendlich Rückreise in mein derzeitiges zu Hause in den USA, mit Jetlag, endlich-mal-wieder-ausschlafen und Spaziergängen in den (derzeit verregneten) Blue Ridge Mountains.

Summa summarum zwei intensive Wochen in Deutschland, während denen aber nicht nur ein straff durchgetaktetes mindful FX-Programm für mich anstand. Sondern die zweite Hälfte dieser 14 Tage waren von sprunghaft gestiegener Volatilität an den Märkten geprägt – ausgehend von den Aktienmärkten.

Ich handle neben Währungen (vollautomatisiert mit Expert Advisors auf MT4: EURUSD im Martingale-Setup, die 13 liquidesten Wechselkurse in meinem ProvideLiquidity-Trading sowie bis zu 80 Währungspaare im niedrig-frequenten ArrayTrading-Setup) auch US Aktien. Um genau zu sein, handle ich vertikale Options-Spreads auf US Aktien. Diese Kombination von börsengehandelten Optionen wähle ich deshalb, um exakt das Risiko pro Deal definieren zu können, ohne einen wankelmütigen Stop-Loss vergeben zu müssen. Dazu aber vielleicht ein ander Mal mehr.

Die (zwar erwartete, aber vom exakten Timing her dennoch überraschende) starke Korrektur an den US-Börsen zeigte mir schnell auf, wie schnell mein Trading-System Risiko-technisch überlastet war. Obwohl ich zu Beginn der Kurskorrektur Long in einigen und Short in anderen Werten war, überwog nach ein oder zwei Tagen des Crashs die Long-Seite im Portfolio.

Die Abwärtsbewegung setzte sich aber noch weitere Tage fort. Das brachte mehr Drawdown zu stande als mir lieb war.

Daher habe ich als Konsequenz sofort die Risiko-pro-Deal-Werte in meinen drei Unterstrategien des Aktien-Optionshandels reduziert. Stark reduziert: Ich senkte in einer der Unterstrategien das Equity-Risiko pro Deal von 1,67% auf 0,5%.

Der Hintergrund: während in „normalen“ Marktphasen vereinzelte, hochwertige und in ihrer Handelsrichtung diversifizierte Dealsignale in den ca. 100 Einzelwerten des S&P 100 (ein Teilindex der größten 100 Werte des viel bekannteren S&P 500) erscheinen und das höhere Risiko pro Deal gerechtfertigen würden, generiert mein System in Stark-Korrektur-Phasen viele gleichgerichtete Signale.

Heißt: wenn's drauf ankommt, nimmt der Risiko-streuende Effekt des Portfolio-Ansatzes ab. Das ist eine wichtige Lektion. Natürlich ist es richtig und gut, mit Streuung der Einstätze auf verschiedene Assets das Gesamt-Risiko zu steuern. Das darf uns Tradern aber nicht die Illusion geben, dass die Korrelation immer niedrig ist.

Im Gegenteil: wenn's heiß wird, steigt oftmals der Gleichlaufquozient an, so dass der Portfolio-Effekt abnimmt. Das war schon im letzten Riesencrash von 2007/2008 leicht sichtbar, als quasi alle Vermögenswerte gleichzeitig in eine Richtung liefen.

Was können wir alle aus dieser Erfahrung lernen?

Ganz klar: Risiko runter!

In guten Zeiten ist das schwierig, da vielerorts die Versuchung auf hohe Profite lauert. Wir sind alle Menschen und daher unter anderem von Gier getrieben. Ein Portfolio an Underlyings und Strategien muss immer erst einen Crash einigermaßen glimpflich (oder zumindest innerhalb der vorgesehenen Rücklauf-, Schwankungs- und anderer Risikomaße) überstehen, bevor wir wirklich ein solides Moneymanagement Set-Up zur Verfügung haben.

Man muss immer im Spiel bleiben und weiter spielen können. Niemals so viel Risiko eingehen, dass es nicht mehr weiter gehen kann. Bei meinen Strategien war dies im aktuellen Marktgeschehen glücklicherweise der Fall. Nur der Drawdown war eben größer als geplant. Daher kann ich weiter am Ball bleiben, passe aber mein Risiko (teils stark, wie oben beispielhaft gesehen) nach unten an.

Das wird sicherlich meine Renditeerwartung etwas senken müssen. Aber: der nächste Crash kommt bestimmt – oder der derzeitige setzt sich fort, wer weiß.

Auf solide Renditen bei niedrigerem Risiko
Cristof Ensslin von mindful FX, Ihrem EA-Programmierer

Launch: EA für MA-Kreuzungen ab heute im Sofortdownload erhältlich

Ab heute gibt es einen neuen Expert Advisor (EA) für MetaTrader 4 (MT4) bei uns im Shop: den mFX-MAXingPro.

Es handelt sich dabei um eine professionelle, funktional sehr weit entwickelte und flexible Version des mFX-MAXing, den Sie vielleicht schon von unserer Video-Serie EA Selbst Programmieren kennen. Allerdings ist die Pro-Version deutlich stabiler programmiert und auch Multi-Deal-fähig.

Außerdem verfügt der ab 95 EUR im Sofort-Download erhältliche Trading-Roboter über viele Einstellungsmöglichkeiten, unter anderem:

  • einschränkbare Handelszeiten,
  • optionale Signalumkehr (Short-Einstieg bei bullischer und Long-Einstieg bei bärischer MA-Kreuzung),
  • Sie entscheiden, ob auf Schlusskurs-Bestätigung gewartet werden soll oder ein Kreuzungs-Signal schon innerhalb der laufenden Kerze gültig ist.

Zudem sind (schon fast übliche) Dealmanagement-Funktionen wie Stop Loss (SL), Take Profit (TP), Trailing-Stop (TS) und Break-Even-Funktionalität (BE) eingebaut. Sie können eine feste Lot-Anzahl eingeben oder die Lotsize nach Kontostand/Equity und Risiko pro Deal automatisch ermitteln lassen.

Es stehen Signal-Benachrichtigungsmöglichkeiten wie Push-Nachricht aufs Handy, Email und Pop-Up-Fenster oder Sound zur Verfügung. Auch kann der EA auf Wunsch die ermittelten Signale als Pfeile ins gewählte Chart einzeichnen.

Dieser Expert Advisor ist nicht für Sie geeignet, wenn Sie ein System suchen, das immer und ganz von alleine Gewinne macht. Handel nach MA-Kreuzungen funktioniert je nach Einstellung des EA's in manchen Marktphasen sehr gut und in anderen weniger gut.

Sie müssen sich immer bewusst bleiben: es ist und bleibt Aufgabe des Traders, die richtige Marktphase und die richtigen Parameter-Einstellungen für dieses Modell zu finden. Daher gibt es in den EA Eingaben vielfältige Möglichkeiten; darunter auch die oben schon erwähnte Option, zwischen trendfolgender und konträrer Umsetzung der Signale hin und her wechseln zu können.

Wenn Sie also einen EA als Werzeug zur schnellen, präzisen und emotionsfreien Umsetzung Ihrer MA-Kreuzungs-Strategie sehen und realistische Renditeerwartungen wahren, kann der MT4-EA mFX-MAXingPro Sie auf die Erfolgsspur bringen.

Ihnen alles Gute, welche Strategie Sie auch immer verwenden
Ihr Cristof Ensslin von mindful FX, Ihrem EA Programmierer

Trading-Systeme, die richtig funktionieren

Neulich erhielt ich folgende Email:

Ist es möglich, dass dieses ganze Technischeanalyse-Ding sich sehr schwer tut mit der dauerhaften Rentabilität?
Es hört sich jetzt etwas blöde nach “Undergroud-Trader” an. Aber kann es sein, das Systeme, die richtig funktionieren, nicht einfach per Google zu finden sind?

Dies ist eine fantastische Frage, die sehr berechtigt ist! Vielen Dank dafür. Diese Mail ist tatsächlich stellvertretend für viele ähnliche Fragen, die mir per Email oder über unseren YouTube-Kanal gestellt werden.

Viele Neulinge im Bereich Trading erhalten durch diverseste Eindrücke aus Büchern, von Youtube-Gurus und Websites, dass Trading zu einfachem, schnellen und vor allem risikofreien Reichtum führt - oder zumindest führen kann. Manchmal finde ich sogar heraus, dass auch erfahrenere Trader solchen Verlockungen nur schwer widerstehen können - mich selbst inbegriffen, muss ich ehrlich zugeben.

An all uns Menschen, die von Gier und Angst getrieben werden: Aufgepasst!

Um es kurz und knapp zu sagen: es gibt keine Abkürzung.

Trading ist eine Arbeit wie jede andere. Je mehr Sie darüber lernen und je mehr Zeit Sie darin investieren, desto größer sind Ihre Erfolgschancen. Klar, kann es sein, dass Sie (oder obige Gurus) kurzfristig eine Glücksträhne haben und irrsinnige Profite im Schlaf erwirtschaften. Wer aber auf Dauer erfolgreich sein und das Gewonnene nicht schnell wieder verlieren will, muss viel Geduld mit sich bringen.

Geduld für:

  • all die Lektionen, die man lernen muss; unter anderem durch Verluste, da einfach nicht alles aus Büchern, Magazinen oder von gutmeinenden Lehrern lernbar ist.

  • all die Zeit, die man investieren muss, um Systeme zu entwickeln.

  • all die Erfahrungswerte, die zu sammeln sind, um diese Systeme in den richtigen Märkten und zu den richtigen Zeitpunkten einzusetzen.

  • die langfristige, stetige Entwicklung der Rendite.

Wer langfristig denkt und weiß, dass eher in 10-20% Jahresrendite gedacht werden sollte, statt nach durchaus menschlicher und daher sehr weit verbreiteter Gier-frisst-Hirn-Manier an schnelle, ständig sich wiederholende Kapitalverdoppelungen sich zu sehnen, ist schon halb am Ziel.

Ich bin selbst ein Kind des Bullenmarkts zu Zeiten des Neuen Markts und der High-Tech-Blase der Jahrtausendwende. Ich musste diese Lektionen durch zunächst jubelnde Gewinne und dann schmerzhaft dahinschmelzende Depot-Stände selbst lernen.

Meine wichtigsten vier Lernerfahrungen möchte ich mit Ihnen teilen:

  1. Haben Sie realistische Rendite-Erwartungen! Wo hohe Gewinne locken, verstecken sich immer extrem hohe Risiken.

  2. Denken Sie langfristig! Statt ständig im M1- und M5-Chart nach Mustern zu suchen, entwickeln Sie lieber ein Handels-System im Tages- (D1) oder Wochenchart (W1). Meine besten Erfolge sind in eben diesen Timeframes. Darin entwickelte Systeme haben meiner Erfahrung nach auch eine viel größere Wahrscheinlichkeit, dauerhaft zu funktionieren.

  3. KISS - Keep it simple, stupid! Einfache Systeme funktionieren besser als komplizierte Systeme. Zum Beispiel ein Range-Ausbruchs-Modell à la Donchian-Channel wie im EA mFX-HochTiefAusbruch abgebildet oder ein Trendfolge-Modell mittels zweier Gleitender Durchschnitte wie im EA mFX-MAXingPro automatisiert, jeweils im D1- oder W1-Chart angewendet und mit realistischen Renditeerwartungen, ist auf Dauer vielversprechender als Systeme, die 27 Indikatoren und andere Trigger-Faktoren enthalten.

  4. Trading ist eine Vollzeitbeschäftigung. Klar können Sie durch Trading-Robots wie eben Expert Advisors für MetaTrader 4 sich das Leben erleichtern und Ihre Strategien stringenter und emotionsloser umsetzen. Sie können aber nicht im Ernst erwarten, dass Sie im Schlaf Geld verdienen können, wenn Sie nicht vorher tausende von Stunden Ihrer wertvollen Zeit fürs Lernen, Ausprobieren und Korrigieren aufgewendet haben. Wenn Sie keine Zeit und Hirnkapazität investieren können oder wollen, dann sollten Sie lieber auf langfristige Investitionen in ein Portfolio echter Vermögenswerte (sprich Immobilien, Aktien, Edelmetalle) setzen. Dann können Sie ruhig schlafen.

Ist es also möglich, mit Hilfe technischer Analyse Trading-Systeme zu finden, die funktionieren? Ich denke ja, aber nur sofern realistische Rendite-Erwartungen, Langfristigkeit, Einfachheit des Systems und verfügbare Zeitkapazität seitens eines lernfähigen und -willigen Traders zusammenkommen.

Auf beste Umsetzung dieser Lerneffekte
Cristof Ensslin von mindful FX, Ihrem EA Programmierer

Wie ein Equity Trailing Stop funktioniert

Wie oft ist es mir schon so ergangen, dass ich ein Chartmuster feststellen konnte und daraufhin flugs eine Handelsstrategie entwickelt habe. Das Chartmuster sollte sich doch fortsetzen, oder? Wenn ja, winken prima Gewinne – möglicherweise sogar voll automatisiert per Expert Advisor (EA) im MetaTrader 4 (MT4).

Meine Erfahrung ist, dass sich das Chartmuster in aller Regel fortsetzt. Allerdings nicht auf alle Ewigkeit, sondern für eine kurze Zeit, sei es ein paar Tage oder wenige Wochen. In dieser Zeit sollte es doch möglich sein, mit der entwickelten Handelsstrategie und dem programmierten EA solide Gewinne zu erzielen. Spätestens sobald die aktuelle Marktphase vorüber ist, muss ich wieder ans Reißbrett und die aktuellen Charts auf sich wiederholende Formationen untersuchen.

Wie erkenne ich nun, ob eine aktuelle Marktphase noch anhält oder nicht?

In meinem PDF Profit im automatisierten Handel, das Sie hier kostenfrei herunterladen können, habe ich der Öffentlichkeit eine Profi-Methode vorgestellt, wie Sie zweifelsfrei erkennen können, ob ein EA in die aktuelle Marktphase passt oder nicht. Es ist eine realitätsnahe Möglichkeit, die sich an den Fakten der wirklich gemachten Trades orientiert: der Equity Trailing Stop.

Die Begriffe Equity und Trailing Stop sind Ihnen wahrscheinlich bekannt. Das Konto-Equity ist der Kontostand plus/minus die unrealisierten Gewinne/Verlust aktuell offener Deals. Ein Trailing Stop ist der Mechanismus, dass der Stop-Kurs (SL) einer Position mit zunehmendem Gewinn in einem bestimmten, meist in Pips oder Punkten anzugebenden, Abstand nachgezogen wird.

Was aber ist ein Equity Trailing Stop?

Wenn wir den Mechanismus des Trailing Stops nicht auf den aktuellen Kurs eines Assets beziehen, in dem wir eine Position offen haben, sondern auf das Konto-Equity, dann erhalten wir einen Equity Trailing Stop. Wir legen zu Beginn einen prozentualen Abstand fest, den wir maximal vom jeweiligen Equity-Höchststand aus gerechnet zu verlieren bereit sind. Steigt unser Kontokapital, erhöht sich auch die Marke, bei der der Equity Trailing Stop die Reißleine zieht. Fällt es, bleibt diese Notaus-Marke dagegen unverändert; solange bis sie nach unten durchbrochen wurde oder aber eine neue „Hochwasser-Marke“ erreicht wurde.

Ein Beispiel:

Unser Konto-Equity steht bei 10.000 EUR und wir wollen nie mehr als 5% riskieren mit einer Strategie. Bei 9.500 EUR Equity-Stand würden wir also den Handel mit der aktuellen Strategie einstellen. Wir sind z.B. DAX30 long und EURUSD short. Der DAX30 steigt an, so dass unser Equity durch den schwebenden Gewinn der offenen Buy-Position in diesem populären CFD ebenso ansteigt; sagen wir auf 10.100 EUR. Die neue Reißleinen-Marke des Equity Trailing Stop liegt 5% unterhalb dieses Equity-Höchststands, also bei 9.595 EUR.

Bleibt der DAX30 nun unverändert und der EURUSD steigt, fällt unser Kontowert. Denn wir haben eine Sell-Position im weltweit meistgehandelten Währungspaar offen, welche verliert, wenn der Kurs des Assets steigt. Nehmen wir an, die EURUSD-Position liegt 100 EUR im Verlust. Unser Equity fällt also auf 10.000 EUR zurück. Die Notaus-Marke des Equity Trailing Stops bleibt aber unverändert auf 9.595 EUR, denn sie wird immer nur nach oben bewegt. Sie bleibt unverändert bis die bisherige „Hochwasser-Marke“ von 10.100 EUR nach oben durchbrochen wird.

Nehmen wir guter Dinge an, dass das Equity durch unterm Strich positive Trades unseres EA's zwischenzeitlich auf 11.000 EUR angestiegen war. Wo liegt unser aktueller Equity Stop? Der Trailing Mechanismus hat ihn auf 11.000 EUR – ( 5% x 11.000 EUR ) = 10.450 EUR angehoben. Sollte nun die zuträgliche Marktphase für das identifizierte Chartmuster sich in Luft auflösen und Deals der Handels-Strategie tendenziel Verluste einbringen, müssen bei Erreichen oder Durchbrechen von 10.450 EUR im Kontoequity alle offenen Deals geschlossen und im gleichen Moment Neueröffnungen des Expert Advisors verhindert werden.

Sie können diesen Mechanismus ohne weiteres manuell durchführen, indem Sie z.B. ein oder zwei Mal am Tag den Equity-Stand Ihres Kontos festhalten. Diesen vergleichen Sie dann mit dem bisherigen Höchststand. Wenn der aktuelle Stand die aktuelle „Hochwasser-Marke“ überschreitet, passen Sie den Equity-Stop nach oben an. Ansonsten prüfen Sie, ob das aktuelle Equity unter dem mit dem von Ihnen zu Beginn festgelegten Prozentsatz errechneten Equity-Stop Level liegt. Falls ja, deaktivieren alle EAs, schließen alle offenen Deals und überlegen sich dann, mit welcher neuen Strategie es weiter gehen kann.

Equity Trailing Stop automatisiert

Alternativ steht Ihnen der ab heute erhältliche MT4-Expert Advisor mFX-EquityWatch als hilfreiches Werkzeug zur Hand. Er kann all dies automatisch für Sie im Blick behalten und erledigen. Sie können darin ein starres Equity-Level zum Notaus vorgeben oder aber den hier in diesem Artikel vorgestellten Equity Trailing Stop (EqTS) voll automatisieren.

Wir haben uns ins Zeug gelegt, um diesen Risikomanagement-EA für Sie so erschwinglich wie möglich zu machen. Der EA mFX-EquityWatch ist ab 59,95 EUR für Sie erhältlich.

Ob mit oder ohne Automatisierung: ich empfehle Ihnen dringend, sich einen Schutzmechanismus wie den Equity Trailing Stop für den Wert Ihres Trading-Kontos aufzuerlegen. Denn so können Sie kinderleicht erkennen, ob Ihr Trading-Ansatz in die derzeitige Marktphase passt oder Sie besser nach Alternativen Ausschau halten sollten.

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen alle Trading-Erfolge, die Sie sich vorstellen können.

Beste Erfolge
Ihr Cristof Ensslin von mindful FX, Ihrem EA-Programmierer

Wert geben = Wert erhalten

Liebe EA-Trading-Freunde!

Das Jahr 2017 hat seinen letzten Handelstag erreicht. Ein guter Moment, um einen kleinen Rückblick über das dieses Jahr Gelernte zu wagen.

Neben zahlreichen kleineren, technischen Lektionen, habe ich eine große Sache gelernt. Diese möchte ich mit Ihnen teilen. Denn ich denke, dass sie auch Ihnen im neuen Jahren helfen kann.

Warum möchte ich eine potenziell stark gewinnträchtige Idee mit Ihnen und (offensichtlich) der breiten Öffentlichkeit teilen? Aus (mindestens) drei guten Gründen:

  1. Ich sehe mindful FX als Plattform für (EA-) Trader, sich gegenseitig auszutauschen und voneinander zu lernen. Freunde helfen einander.
  2. Die goldene Regel: "Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg auch keinem andern zu!". Ich drehe diese gerne ins positive: "Verhalte Dich anderen gegenüber so, wie Du selbst behandelt werden möchtest." In anderen Worten: positives Karma.
  3. Die Idee selbst ist eher allgemein gehalten. Ich denke, dass jeder Trader sie etwas anders auslegen und dann umsetzen wird und daher keine Konkurrenz enstehen wird.

Nun aber zur Idee selbst. Trading an den Finanzmärkten ist ein Spiegelbild des Lebens: wer Wert gibt, wird Wert erhalten.

Der Denkansatz vor der Entwicklung und Anwendung potenziell gewinnbringender Handelsstrategien muss also immer beinhalten, ob ich mit meinem EA und Handelsansatz den restlichen Marktteilnehmern einen Mehrwert biete - und sei er noch so klein. Viel mal klein macht mathematisch gesehen mehr als viel mal null oder viel mal negativ.

Die meisten Neulinge und teils auch Fortgeschrittene am Markt schauen immer nach dem nächsten heißen Eisen. Ausbruch: aufspringen. Wo geht gerade die Post ab? Dort muss es doch etwas zu holen geben. Das führt aber oft dazu, dass man "Wert nimmt" statt "Wert gibt".

Ein ganz einfaches Beispiel: bei einem Ausbruch aus einer Handelsrange wollen viele Trader gerade diesen Ausbruch in Ausbruchsrichtung handeln. Das ist eine beliebte Scalping-Strategie. Rein und mit ein bisschen Gewinn wieder raus. Das wird in neun von zehn Fällen gut gehen, aber in dem einen verbleibenden Fall das Gewonnene wieder zerrinnen lassen und den Trader unterm Strich sogar mit Verlust im Regen stehen lassen.

Warum das so sein muss?

Ganz einfach: wir entziehen dem Markt Liquidität, wenn wir das tun, was zu just diesem Zeitpunkt alle anderen Marktteilnehmer ebenso tun wollen. Liquidität verbrauchen heißt Wert konsumieren. Als Trader muss man aber Liquidität geben. Das ist der Hauptzweck eines Traders, eine der wenigen wirklichen wirtschaftlichen Funktionen des kurzfristigen Börsen-Akteurs.

Daher verdienen Banken in aller Regel auch gutes Geld im Börsenhandel. Abgesehen vom Eigenhandel schaffen sie als Market-Maker Liquidität, indem sie (fast) ständig bereit sind, zum etwas unterhalb der Mitte liegenden Geld-Kurs (Bid) zu kaufen und zum etwas oberhalb der Mitte liegenden Brief-Kurs (Ask) zu verkaufen. Sie liefern den anderen Marktteilnehmern also den Wert, dass ein Wertpapier oder anderes Asset jederzeit handelbar ist.

Wie können wir kleinen Trader unsere Strategien Wert-gebend gestalten?

Hier ein paar Beispiele:

  • Wir können bei Ausbruchsstrategien versuchen, mit nachziehenden Limitorders in den Markt zu kommen. Klar verpassen wir dadurch den einen oder anderen Ausbruch, werden aber langfristig durch die generell liquiditätsschaffenden Limitorders dem Markt einen Mehrwert bieten und somit Wert für uns Profite generieren.
  • Gleiches gilt für Ausstiege aus Deals: denken Sie eher an Limitorders (Take-Profit) oder Trailing-TPs im Verlustfall statt immer nur mit Stop Loss oder Trailing SL zu agieren. Hier ist natürlich das Gesamtrisiko zu beachten, so dass irgendwo dann doch eine Reißleine gezogen werden muss. Das persönliche Risikomanagement darf selbstverständlich nicht vernachlässigt werden. Nur wer seine Handlungsfähigkeit aufrecht erhält, kann auch dem Markt dauerhaft einen Mehrwert bieten.
  • Denken Sie neben der Trendfolge auch ernsthaft über Umkehrstrategien nach. Beispielsweise Range-Ausbrüche als Fehlausbrüche interpretieren und in die umgekehrte Richtung handeln? Das ist sicher einer der tendenziell größten Werte, die ein Trader geben kann. Allerdings sind hier starke Nerven und rigoroses Money- und Risikomanagement gefragt.
  • "Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen." - hat der 1788 in Frankfurt am Main geborene Bankier Carl Mayer von Rothschild schon gesagt. Sprich: antizyklisches Investieren liefert dem Markt einen Mehrwert. Sie kaufen, wenn alle anderen verkaufen wollen, und umgekehrt. Warum sonst hätte Warren Buffet und seine Investment-Firma Berkshire Hathaway über mehrere Jahrzehnte den Markt in außerordentlichem Maße outperformen können?
  • Neben Ordertyp und Handelsrichtung kann auch die Wahl des Handelsinstruments Wert schaffen. Wie wäre es, über Eurex, CBOE und Co. Optionen zu schreiben? Damit bieten Sie dem Optionskäufer eine Versicherung für fallende (Put) oder steigende (Call) Kurse. Dies bitte nicht mit digitalen (binären) Optionen umsetzen. Nur reguläre Optionen, die an einer Terminbörse gelistet sind, bieten dem Markt über den Versicherungseffekt einen echten Mehrwert. Auch hier können Sie dann anti-zyklisch und über Limitorder noch weiter den Wert steigern, den Sie dem Markt bieten. Auch hier ist äußerste Vorsicht und striktestes Money- und Risikomanagement angesagt!

All das gilt übrigens gleichgültig ob ich mit oder ohne Expert Advisor, also Automatisierung, und egal ob auf MetaTrader 4 oder einer anderen Trading-Plattform agiere. Ich handle z.B. selbst mit eigenem Geld und Risiko auf MT4 (siehe hier meine öffentlich verfolgbaren Konten, die Sie übrigens auch als MT4-Signal abonnieren können) in Währungen, während ich über einen nicht-MetaTrader-Broker börsengehandelte Aktien und Aktienoption trade.

Bei all diesen Aktivitäten stelle ich mir immer wieder die zentrale Frage: wie kann ich meine Strategie so gestalten, dass ich zu meinen gewünschten Handelszeitpunkten dem Markt einen möglichst hohen Wert biete?

Ich bin dankbar, diese Einsicht in 2017 gewonnen zu haben. Jetzt kann 2018 richtig losgehen!

Für das anstehende neue Jahr wünsche ich von ganzem Herzen Ihnen persönlich alles Gute sowie Ihrem Konto außerordentliche Trading-Gewinne,
Ihr Cristof Ensslin und das gesamte mindful FX Team.

PS: ich freue mich auf Ihre Meinung. Welche Ideen haben Sie, um dem Markt einen Mehrwert zu bieten und Ihnen selbst somit langfristig solide Gewinne zu ermöglichen?

Den richtigen EA für aktuelle Marktphase finden: rollende Backtests

In einem vergangenen Blog-Artikel mit dem Titel Über die Kunst, mit Expert Advisors stetige Gewinne zu erzielen schrieb ich darüber, dass der Markt einem Flussverlauf gleicht. Einem Flussverlauf, den wir im Gegensatz zur Geographie-Stunde aber noch nicht kennen - oder ihn nur auf Sicht erahnen können.

Daher ist es notwendig, in manchen Marktphasen einen Expert Advisor (EA) im MetaTrader auszuschalten, während er in anderen Marktphasen unbedingt gewinnbringend verwendet werden sollte. Nun stellt sich die große Frage:

Woran erkennen wir, ob ein vorhandener EA, der eine bestimmte Trading-Strategie automatisiert, für die derzeitige Marktphase geeignet ist oder nicht?

Es gibt hier einige Ansatzmöglichkeiten. Eine davon haben Sie vielleicht schon in unserem Artikel "Wie ein Equity Trailing Stop funktioniert" nachlesen können. Hier und heute möchte ich Ihnen eine weitere vorstellen.

Schritt 1: Serie von überlappenden Backtests erstellen

Wir nehmen im Strategietester des MetaTraders in gewissen zeitlichen Abständen, zum Beispiel monatlich, einen Backtest des EA's der jeweils letzten 12 Monate vor. Daraus entsteht eine Serie an Backtestergebnissen, die wir tabellarisch auflisten können. Am Exempel des EA's mFX-HochTiefAusbruch ergibt sich für die letzten knapp 3 Jahre nebenstehende Tabelle.

Zugegeben: das Erstellen der Tabelle ist zwar nicht schwierig, jedoch mit Zeitaufwand verbunden. Es hat ja aber auch nie jemand, dem Sie seriöserweise Glauben schenken würden, gesagt, dass erfolgreiches Trading ohne Zugeständnisse möglich wäre.

Wenn Sie aber bereit sind, Ihren eigenen Zeiteinsatz zu bringen, um mit Trading Gewinn zu machen, lesen Sie bitte weiter.

Schritt 2: Muster in der Ergebnisreihe erkennen

Nun suchen wir nach Mustern in dieser Zahlenreihe. Eine offensichtliche Vorgehensweise ist, die Methode der positiven oder negativen Ergebnisse anzuwenden. Sprich: sobald ein Backtest über 0, also mit Gewinn, abschließt, wird der EA aktiviert. Umgekehrt schalten wir den Experten im MT4 aus, wenn ein Verlust über das gerade abgelaufene Jahr entstanden ist.

Der erste 12-Monats-Backtest (20.02.2015 - 20.02.2016) endet im Gewinn. Am 20.02.2016 können wir den EA also anschalten. In obiger Zahlenreihe würde ich dann mit dem am 20.06.2016 mit Verlust endenden Backtest wissen, dass es an der Zeit ist, den EA zu deaktivieren. In der Folge kommt es erst wieder am 20.07.2017 zu einem profitablen 12-Monats-Zeitraum, weshalb wir ab diesem Termin den EA wieder als aktiviert annehmen.

Schritt 3: Kontrolle der Aktivierungssignale

Nun müssen wir die aktiven Zeiträume backtesten und mit dem reinen Dauerbetrieb des EA's vergleichen. Der EA hätte im ständigen Betrieb mit 10.000 EUR Startkapital und 0.1 Lots (also Hebel von 1) auf EURUSD mit 2 Pips bzw. 20 Punkten Spread satte 1.135,07 EUR Gewinn zwischen 20.02.2016 und 20.12.2017 erzielt.

Zeitraffer-Video des Backtest-Diagramms des getesteten EA's im MT4 von GKFX

(Für alle Käufer unseres MT4-EA's mFX-HochTiefAusbruch: Die .set-Datei der Einstellungen des EA's, so wie wir ihn oben im Strategietester eingestellt haben, stelle ich Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung. Hier klicken, um die .set-Datei sowie bei Bedarf eine Verwendungsanleitung herunterzuladen.)

Um den Vergleich mit diesem "Dauerlauf" des EA's durchführen zu können, muss ich nun die Backtestergebnisse der aktiven Zeiträume aus der Rollende-Backtests-Methode aufaddieren:

20.02.2016-20.06.2016 → EUR 387,68 Gewinn
20.07.2017-20.12.2017 → EUR 649,66 Gewinn

Zusammen gerechnet entstand also ein Gewinn von EUR 1.037,34. Um diese beiden Backtests auch visuell ganz einfach zu aggregieren, verwenden wir sinnvollerweise unser BacktestTool. Das Ergebnis sieht dann in unserem obigen Fall folgendermaßen aus:

Sie können leicht die deaktive Phase zwischen Juni 2016 und Juli 2017 erkennen, in der der Kontostand sich waagrecht entwickelt. In dieser Zeit kann Ihr Kapital anderweitig gewinnbringend investiert werden, ob im Trading mit einem anderen EA, im selben EA mit anderen, für die dann vorliegende Marktphase als vorteilhaft eingeschätzten Einstellungen, oder in ganz anderen Investment-Aktivitäten.

Selbst wenn lediglich ein ähnliches, leicht niedrigeres Gewinn-Ergebnis erzielt wurde, kann aus mindestens zwei Gründen durch die Verwendung dieser Methode der rollenden Backtests ein großer, entscheidender Vorteil erzielt werden.

  1. Durch das Aktivieren und Deaktivieren des EA's sind Sie nicht ständig im Markt investiert. Dadurch können Sie Ihr Kapital auch anderweitig investieren und dort Performance erzielen.
  2. Der maximale Drawdown reduziert sich. Sie könnten daher gegebenenfalls mit höherem Hebel arbeiten und somit bei gleichem Verlustrisiko mehr Gewinn erzielen. In unserem Beispiel-Fall errechnet das BacktestTool einen maximalen Rückgang von 606,10 EUR, was 5,61% entspricht. Der Dauerbetrieb brachte laut Bericht im MT4-Strategietester einen Drawdown von 1.482,73 EUR oder 13,7% mit sich. Der Einsatz der Rollenden-Backtests-Methode würde hier also bei gleichem Risiko einen mehr als doppelt so hohen Hebel rechtfertigen. Risikoadjustiert wäre also ein ca. doppelt so hoher Gewinn zu Stande gekommen.

Falls diese Methode ein spürbar geringeres Ergebnis erzielt, auch risiko-adjustiert, kann sie noch immer vorteilhaft sein. Denn Sie haben damit ein wirkungsvolles System zur Hand, um sich vor möglicherweise endlosen Verlusten einer schwachen Phase Ihres Experts bzw. Ihrer Handelsstrategie zu schützen.

Zu guter letzt ein Wort der Vorsicht: es ist immer zu bedenken, dass die Ergebnisse der Vergangenheit nicht die Zukunft vorhersagen können. Daher immer aufpassen und ständig mit wachsamen Augen kontrollieren, wie sich die Ergebnisse einer Handelsstrategie entwickeln! "Gier frisst Hirn", davor ist niemand gefeit.

EAs sind keine Selbsläufer, können aber dennoch zu attraktiven Renditen führen

Die Kunst regelmäßiger Gewinne besteht darin, die richtige Handelsstrategie oder EA-Einstellung für die jeweils vorherrschende Marktphase zu identifizieren. Mit ein wenig Zeitaufwand können die hier vorgestellten 3 Schritte der Rollenden-Backtest-Methode - obgleich ohne Garantie und Gewähr - zum Erfolg führen.

Diese Vorgehensweise kann nicht nur zwischen verschiedenen Strategien durchgeführt werden, sondern auch, um herauszufinden, welche Kombination von Parameter-Einstellungen innerhalb ein und desselben Expert Advisors gerade die passende ist - insbesondere dann interessant, wenn eine Variable die Richtungs-Auslegung der Signale steuert (Thema Signalumkehr). So können Sie sich sogar auf nur einen einzigen EA spezialisieren und diesen in- und auswendig kennen und anwenden.

Das Monats-Intervall zur Durchführung sowie die 12-Monats-Frist als Zeitrahmen der Backtests sind nicht in Stein gemeißelt. Wenn Sie schneller auf Marktphasenveränderungen reagieren möchten und dies für den Handelsstil Ihres EA's passend ist, nehmen Sie kürzere Backtest-Fristigkeiten, z.B. 4 oder 5 Monate oder gar Wochen und testen wöchentlich oder sogar täglich. Haben Sie dagegen einen EA, der weniger häufig Deals macht, sind längere Fristigkeiten ratsam.

Ich habe zum Beispiel eine Low-Frequency-Strategie über einen Expert Advisor automatisiert, die ich mit monatlich rollenden 12-Monats-Backtests über 70 verschiedene Assets (Symbole) mit dieser Methode steuere. Das ganze läuft erst seit kurzem. Ich werde über Ergebnisse und Erkenntnisse hier auf diesem Blog berichten.

Viel Erfolg im neuen Tradingjahr wünscht Ihnen
Ihr Cristof Ensslin von mindful FX, Ihrem EA Programmierer

Heute ist NFP-Freitag: was Sie vor dem Live-Schalten eines Expert Advisors über Ausführungsqualität und „Slippage“ wissen sollten

Stellen Sie sich vor: es ist der erste Freitag im Monat, 14:29:59 Uhr deutscher Zeit. Der Markt scheint wie eingefroren, erstarrt wie die Kartoffelsuppe im Kühlhaus. Der Sekundenzeiger – langsamer als sonst - springt um und ....

es ist Punkt 14:30 Uhr und der Markt bricht in völlig irrationale Bewegungen aus. Ihr Herz pocht, Blutdruck und Puls angeschwollen. Sie möchten unbedingt auf den Kursausbruch aufspringen, in der Hoffnung auf eine Trendfortsetzung; aber die Ausführung Ihrer Order scheint nicht zu klappen. Ein erstes Mal, ein zweites Mal, ein drittes Mal.

Endlich, als Stunden empfundene 10 Sekunden später gibt Ihr Broker Ihnen endlich Ihren Ausführungskurs – und Ihr Mut sinkt in Ihre Knie, denn er ist ganze 27 Punkte schlechter als erhofft...

Kommt Ihnen das bekannt vor? Waren Sie selbst schon in einer solchen Situation? Dann wissen Sie aus eigener Erfahrung um das Problem der Ausführungsqualität. Sie möchten eigentlich zum aktuellen Kurs handeln, bekommen aber einen ganz anderen, oft schlechteren Kurs für Ihren Dealeinstieg.

Diese Situationen kommen immer wieder vor, teils erwartet (geplante, wichtige Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten wie z.B. die Non-Farm-Payrolls, der monatliche vielbeachtete US-Arbeitsmarktbericht ohne den Agrarsektor - wie oben im Beispielszenario erwähnt), teils unerwartet (überraschende Zentralbank-Entscheide, Wahlausgänge, Weltnachrichten, Flash-Crashes usw.). Insbesondere wenn Sie trendfolgend handeln möchten, wird Ihnen diese Besonderheit des Marktes immer wieder ein Schnippchen schlagen.

Viele Trader verschreiben sich Trendfolge-Strategien. Diese sind oftmals mit ganz kurzfristiger Haltedauer ausgelegt, so genannte Scalping-Techniken. Beispiel: eine Widerstandslinie im Dax läge bei 13.000 Punkten. Der Markt, also im Endeffekt viele Marktteilnehmer, liegen auf der Lauer. Wird die magische Marke nach oben hin durchbrochen, springen Börsenhändler, ob per Mensch oder Maschine, auf den Ausbruch aus.

Das verzerrt den Markt kurzfristig. Dies wirkt sich so aus, dass plötzlich fast keine Verkaufsquoten mehr vorhanden sind. Der Kurs springt nach oben wo er vorher noch fast planbar Tick für Tick, Sprosse für Sprosse langsam aber sicher erklomm.

All dies geschieht in Windeseile, wie ein Blitz.

Selbst wenn wir Expert Advisors (EAs) für solche Marktsituationen verwenden, sind wir dennoch in der Regel um Millisekunden zu spät dran, um wirklich vernünftige Kurse zu erhalten. Hedgefonds und Banken haben sich darauf spezialisiert, in solchen Situationen die schnellsten am Markt zu sein: mit buchstäblich kürzeren und schnelleren Leitungen. Unsere WLAN-Verbindung mag schnell erscheinen, sie ist aber "nur" ein für öffentliche Straßen zugelassener Porsche Carrera statt ein rasanter Formel-1-Flitzer.

Dieses Phänomen nennt sich gemeinhin „Slippage“. Es führt dazu, dass Sie einen Kurs anfragen (z.B. 13.001) aber einen schlechteren Kurs als Ausführung erhalten (z.B. 13.002, 13.005 oder noch höher). Das klingt nach teilweise keinem großen Unterschied, kann sich aber aufsummieren über den Verlauf der Zeit.

Generell gilt: je höher die Tradingfrequenz Ihres Trading-Systems ist, also je öfter sie Deals eröffnen und wieder schließen, desto ungünstiger wirkt sich die Slippage auf Ihre echte Trading-Performance aus – was übrigens in Backtests nicht abgebildet wird und somit nicht ersichtlich ist.

Wenn Sie Trendfolge-EAs backtesten, empfehle ich, den Strategietester im MetaTrader (gilt für MT4 wie MT5) mit einem deutlich höheren Spread einstellen als den, den Sie üblicherweise von Ihrem Broker erhalten.

Traden Sie beispielsweise in normalen Marktverhältnissen mit 0,2 Pips Spread in EURUSD (üblicher Spread z.B. bei direktbroker-fx.de), stellen Sie den Spread im Strategietester auf 1 Pip, 2 Pips oder noch höher ein. Dazu müssen Sie im Strategietester im Feld Spread den Wert 10 bzw. 20 eingeben, da MT4 in Punkten statt Pips denkt. 1 Punkt ist bei 5-stelliger Quotierung der Unterschied zwischen 1,18000 und 1,18001, was in der Forex-Terminologie 0,1 Pips bedeutet.

Aufgepasst: heute ist ein solcher NFP-Freitag. Es ist zwar nicht der erste Freitag im Monat, aber es steht dennoch die Veröffentlung der "Non-Farm-Payroll" Arbeitsmarkt-Schätzung des US-Arbeitsministeriums an.

Denn die Termin-Regel für die NFP-Veröffentlichung lautet: der dritte Freitag nach der Woche, die den 12. Tag des Monats beinhaltet. Der 12. November war ein Sonntag. In USA gilt der Sonntag als erster Tag der Woche, nicht der Montag wie international Standard. Daher ist der 24.11. der erste, der 1.12. der zweite und der 8.12. der dritte Freitag nach Vollendung der Woche, die in USA am 12.11. begann.

Für heute um 14:30 Uhr (MEZ) wünsche ich Ihnen alles Beste für Ihr Trading
Cristof Ensslin von mindful FX, Ihrem EA-Programmierer

Wie man Trading zu Einkommen macht

Ein Trading-Konto ist schnell eröffnet. Es folgt nur noch die Kapitalisierung des Kontos - eine Überweisung und schon kann's los gehen. Trading macht Spaß, keine Frage. Es soll aber in der Regel auch einen weiteren wichtigen Zweck erfüllen:

Einkommen schaffen.

Natürlich gehört dazu, dass man profitabel tradet, sei es automatisiert per Expert Advisor in MT4 oder MT5, sei es halbautomatisch mit Hilfe eines EA's oder Skripten, oder sei es vollständig manuell. In diesem Artikel geht es aber nicht darum, einen profitablen Handelsansatz zu finden. In diesem Artikel geht es darum, Trading zu Einkommen zu machen.

Wenn Sie Trading nur zum Spaß unternehmen oder um ausschließlich Geld wachsen zu lassen, brauchen Sie nicht weiter lesen. Wenn Sie aber ein regelmäßiges Einkommen aus Ihrem Trading erzielen wollen, brauchen Sie eine sinnvolle Methode, die Ihnen bei dieser Aufgabe hilft.

Das muss nicht kompliziert sein. Was ich seit diesem Monat mache, um Trading zu Einkommen zu machen, ist ganz einfach.

Jeden Monat ein Mal - bei mir ist's immer der letzte Sonntag im Monat, es kann aber auch der Monatserste oder -letzte sein - halte ich in einem Spreadsheet das aktuelle Gesamtkapital fest. Dieses Eigenkapital wird übrigens auch Equity (MetaTrader), Net Asset Value oder Net Liquidation Value. Es fasst den Marktwert der offenen Positionen und den aktuellen Kontostand zusammen.

Das Gesamtkapital multipliziere ich mit 0,005 und erhalte somit einen Wert, der einem halben Prozent des Gesamtkapitals entspricht. Wenn mein Tradingkonto am Stichtag z.B. 10.000 EUR Wert ist, erhalte ich 50 EUR aus dieser Berechnung. Diesen Betrag zahle ich mir dann von diesem Tradingkonto auf mein Bankkonto aus. Voilá: hier ist mein Einkommen.

Das bedeutet, dass ich mir ca. 6% des eingesetzten Kapitals pro Jahr auszahle. Wächst das Tradingkonto trotz dieser Auszahlungen an, habe ich offensichtlich mehr als 6% erwirtschaftet mit meinen Trading-Aktivitäten. Schrumpft es, habe ich entsprechend weniger Gewinn gemacht.

Warum ist das sinnvoll?

Ein Grund ist dieser: wenn mein Trading weniger als 6% pro Jahr verdient, sollte ich mich nach einer besseren Risikoanlageform umsehen - langfristig ausgerichtetes, passives Investieren in einen Aktienindex kommt in den Sinn. Hier geht es also um Selbstkontrolle und realistisches, objektives Betrachten meines Trading-Erfolgs.

Die 6% pro Jahr beziehungsweise 0,5% pro Monat sind ein veränderbarer Wert. Sie können beispielsweise von einer riskanteren Strategie einen höheren Prozentsatz fordern. Wichtig ist nur, dass Sie - egal wo Sie derzeit mit Ihrem Trading stehen - Ihre Denkweise in Richtung "Einkommen generieren" ausrichten. Nur dann können Sie Trading mit oder ohne Expert Advisors zu einer echten Einkommensquelle machen.

Ein weiterer Grund, der vielleicht sogar wichtiger ist: wenn ich kräftig Gewinn gemacht habe und das Konto gewachsen ist, wächst auch meine Auszahlung. Wenn ich Verlust gemacht habe, fällt die Auszahlung geringer aus.

Das ist darum wichtig, da jede Strategie ihre guten und schlechten Phasen hat. In einer guten Phase kann ich also regelmäßig mehr Gewinn entnehmen, während ich in einer schlechten Phase weniger Geld abziehe. In guten Zeiten nehme ich auf Strategie-Ebene also Gewinne mit und gebe der Trading-Stratgie in Verlustphasen für die nächste Gewinnphase eine weitere Chance gebe - natürlich nur gesetzt den Fall, dass dass die Strategie erwartungsgemäß überhaupt wieder gute Phasen haben kann.

Drei Voraussetzungen habe ich für die Einkommens-Ausrichtung meines Tradings als hilfreich und äußerst sinnvoll kennengelernt:

  1. Pro Trading-Strategie ein separates Konto - die meisten MT4-Broker erlauben mehrere Konten pro Kunde richten gerne Unterkonten ein. Oder Sie nutzen mehrere Broker - denn für die eine Strategie könnte der eine Broker sinnvoll sein, für die nächste ein anderer. Alternative: ein Konto verwenden und jeden Deal in einem Trading-Journal seiner Strategie zuweisen, um die Kapitalentwicklung pro Strategie nachzuvollziehen.
     
  2. Das Handelsvolumen pro Deal (in MT4 und in EAs Lots oder Lotsize genannt) muss vom Kontokapital abhängig sein, entweder durch regelmäßige manuelle Anpassung oder durch automatisches Ermitteln mittels im EA eingebauten Moneymanagements.
     
  3. Ein Überwachungsmechanismus mittels Tabellenkalkulation und Erinnerungsfunktion. Als Erinnerung kann ein sich wiederholender Eintrag in Ihrem Kalender dienen oder aber ein EA, der zwar selbst keine Deals auslöst, aber Ihnen in den gewünschten Intervallen, z.B. monatlich, das Kontoequity per Email zuschickt. Für den Eintrag in die Tabellenkalkulation habe ich Ihnen meine Spreadsheet-Vorlage in einem Google Sheet zum kostenlosen Kopieren vorbereitet.
 Tabellenkalkulation "Google Sheet" zur regelmäßigen Ermittlung Ihres Tradingeinkommens - kostenlos für Sie.

Tabellenkalkulation "Google Sheet" zur regelmäßigen Ermittlung Ihres Tradingeinkommens - kostenlos für Sie.

Falls Ihnen Stift und Papier lieber ist, können Sie das Spreadsheet über Ihren Browser auch ausdrucken. Dann können Sie mit Bleistift und Taschenrechner (oder lieber Kopfrechnen?) vorgehen.

Aus dem monatlichen Trading-Einkommen ermittle ich dann am Ende noch, wie das Einkommen verteilt wird; also welcher Anteil in langfristiges Investieren in Real-Investments geht (für mich sind's 20% für substanzielle Vermögenswerte wie Immobilien, Aktien, Gold), welcher Anteil an gemeinnützige Zwecke gespendet wird (hier wähle ich 10% - der berühmte Zehnt) und welcher Anteil für Lebenshaltung (68%) sowie hemmungsloser Spaß (2%) verwendet wird. Diese Aufteilung ist natürlich je nach Lebens- und Vermögensumständen, Alter und persönliche Vorlieben bei jedem Menschen bzw. Haushalt unterschiedlich.

So lebt es sich glücklicher.

Ein netter Nebeneffekt: Sie können nun solide fundiert Ihrer besseren Hälfte (sofern vorhanden) den jeweils aktuellen Stand Ihrer Trading-Aktivitäten inklusive Haushaltsbeitrag berichten. Das wird dem oftmals von Lebenspartnern kritisch beäugte Trading einen besseren Ruf und damit mehr Akzeptanz verschaffen.

Damit bleibt natürlich noch immer die Herausforderung, profitabel zu traden. Klar. Aber Sie haben einen wichtigen Schritt unternommen, um die Grundlage dazu zu schaffen, aus Trading Ihr Einkommen zu erzielen.

Beste Trading-Erfolge und ein hoffentlich mehr als auskömmliches Einkommen daraus wünscht Ihnen
Cristof Ensslin von mindful FX, Ihrem EA Programmierer.

Vom Sinn und Unsinn des Trailing Stops

Seit nun fast 30 Jahren bin ich an den Finanzmärkten als Investor und Trader aktiv. Irgendwann in dieser Zeit, ich weiß nicht mehr genau wann, kam der Trailing Stop als Ordermanagement Werkzeug auf.

Dies war eine spannende Geschichte – versprach dieser Orderzusatz doch leichte Gewinne im Trendfolge- und Ausbruchstrading. Was genau macht ein Trailing Stop?

„Trailing“ ist ein englisches Wort, das ins Deutsche übersetzt „nachfolgend“ bedeutet. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Stop Loss, der von sich aus sich nie vom Fleck bewegt, sondern dort liegen bleibt, wo man ihn eben manuell platziert, folgt ein Trailing SL der Kursentwicklung nach – und zwar nur auf der Gewinnseite eines Trades.

Läuft eine Position in den Gewinn, sorgt der Trailing Mechanismus dafür, dass der SL in einem gewissen Abstand vom jeweils besten Kurs seit Dealeröffnung mitgezogen wird. Ein Beispiel:

Sie gehen Long zu 100 und versehen die Position mit einem Trailing SL von 10. Dann erhält die Order direkt nach Eröffnung den SL von 90, also 100 minus 10. Steigt der Kurs auf 101, würde ein herkömmlicher SL mit einem Abstand von 10 bei 90 liegen bleiben. Der Trailing SL zieht aber den SL von 90 auf 91 nach. 91 deshalb, weil der beste Kurs seit Eröffnung 101 war und der Trailing-Abstand von 10 sich nicht vom Eröffnungskurs, sondern von eben diesem besten Kurs seit Eröffnung von 101 aus berechnet: also 101 minus 10 ist gleich 91.

Das schöne dabei ist: sobald die Position mit dem Trailing Abstand im Gewinn liegt, kann die Position nicht mehr in den Verlust laufen, da der SL nun auf Einstiegskurs nachgezogen wurde. Geht die Kursbewegung weiter, ist sogar ein Gewinn gesichert.

Der Trailing-Abstand lässt sich übrigens nicht nur als fixen Wert definieren, sondern auch

  • als Prozentsatz vom aktuellen Kurs

  • volatiltätsabhängig, z.B. anhand eines Vielfachen der Average True Range (ATR)

  • als Kerzen-Trailing, wobei immer der Höchst-/Tiefstwert der Vorkerze oder einer bestimmten Anzahl von Vorkerzen als SL-Kurs dient

  • durch Indikatoren wie z.B. gleitende Durchschnitte.

Der Kreativität bei der Erfindung von Trailing Mechanismen sind keine Grenzen gesetzt. Eins ist aber immer gemeinsam: der SL verschlechtert sich niemals, er darf sich nur verbessern.

Während der Trailing Stop in der Theorie eine tolle Sache ist, hat er sich in meiner Trading-Praxis eher als hinderlich erwiesen. Vielleicht lag es an meinen konkreten Handelsansätzen, von denen ich zigfache ausprobiert habe.

Zwischenzeitlich handle ich fast gar nicht mehr mit Trailing Stop. Warum?

Nun, ganz einfach ausgedrückt: „das Tierchen braucht Luft zum Atmen.“

Mit Tierchen ist der Kurs gemeint, mit Atmen die ständig veränderliche Schwankungsbreite.

Der Trailing Stop ist aus der Angst entstanden, schon mal im Gewinn liegende Positionen wieder in den Verlust laufen zu sehen. Ganz klar, ich verstehe das: Wer mag schon dabei zusehen, wie die gewonnenen Felle sich in Luft auflösen? Ich mag das ebenfalls nicht. Es gehört aber dazu wie das Amen in der Kirche.

Das Leben hat mir unter anderem geleert, dass Handlungen, die aus Angst entstehen, in der Mehrheit keinen positiven Effekt auf das Endresultat haben. So ist es meiner bescheidenen Erfahrung nach auch im Trading im allgemeinen und beim Trailing Stop im speziellen.

Wenn ich einen Trailing Stop auf eine Trading-Position von Anfang an anwende, kann niemals mehr Luft zum Atmen entstehen. Während das in manchen Fällen natürlich einen Initial-Stop-Fall verhindert, vereitelt dies häufiger als erhofft das Erreichen des Gewinnziels.

Wie oft habe ich erlebt, dass eine „getrailte“ Order in Ihren nachgezogenen, verbesserten Gewinn lief, aber kurz danach der Kurs wieder in Trendrichtung weiterlief (ohne dass der originale SL erreicht worden wäre)?

Wie oft!?

Ich möchte den Trailing SL nicht schlecht reden. Ganz und gar nicht. Nur seine Benutzung von Beginn einer Position an hat sich für meinen persönlichen Trading-Ansatz als nicht vorteilhaft heraus gestellt. Wenn überhaupt, dann nutze ich ihn mit Zeitverzögerung oder nach Erreichen des Gewinnziels einer Position. Bis dahin braucht der Kurs meistens jedoch ein wenig mehr „Luft zum Atmen“.

Beste Erfolge für Ihr eigenes Trading
Ihr Cristof Ensslin von mindful FX, Ihrem EA Programmierer

Über die Kunst, mit Expert Advisors stetige Gewinne zu erzielen

Wir nutzen MetaTrader 4 oder 5 und Expert Advisors (EAs), um Trading-Strategien zu automatisieren. Dadurch, dass das Trading vom Computer erledigt wird, kann ich mir über Strategie-Entwicklung und Marktphasen Gedanken machen. Muss ich sogar, denn das ist und bleibt meine Aufgabe als Trader.

Wir können wirklich keine so guten Prognosen abgeben. Obwohl wir so tun, als könnten wir, können wir es nicht.
— Alan Greenspan

Der Markt ist wie ein Flussverlauf, den man vom Quellpunkt bis zur Meeresmündung verfolgt. Wir können immer nur die nächsten paar 100 Meter, wenn überhaupt, sehen. 

Beispiel des Verlaufs des Rheins. Stellen Sie sich die Quelle vor: mit dem Thomasee am Oberalbpass in der Schweiz (westliches Graubünden) findet Deutschlands längster Fluss seinen Ursprung. Das Wasser ist grünlich-blau, herrlich idyllisch. Dann geht es als kleiner Bach ins Tag hinab, fröhlich sprudelnd über Stock und Stein. Immer wieder gibt es kleine Ruhephasen, kleine Tümpel, dann geht es weiter talwärts.

Irgenwann beruhigt sich das Ganze, zwischen Chur und Bregenz ist der Rhein teils eingefasst, alles schön kontrolliert. Dann geht’s in und durch den Bodensee. Tagelange Ruhe, aber mit Sturmgefahren: gar Windhosen können sich darauf entwickeln, Segler wissen um die Gefahren, die auf sie lauern.

Aus Deutschlands größtem See hinaus geht’s bald die imposant-rasanten Rheinfälle zu Schaffhausen laut tosend hinab. Dann die oberrheinische Tiefebene, dann vorbei an großen Industriebauten in der Metropolregion Mannheim-Ludwigshafen. Hier ist der Rhein schon lange schiffbar. Wie ist der Wasserstand?

Dann geht’s in die malerischen Mittelgebirge, munter links und rechts, vorbei an der Lorelei, wo schon so einige Kähne auf Grund gelaufen und zerschellt sind. Bis schließlich der Unterrhein sich bei Rotterdam in die Nordsee ergießt.

Stellen Sie sich nun vor, Sie schiffen den Rhein abwärts. Für jeden Teil ihrer Reise benötigen Sie ein anderes Schuhwerk oder Gefährt. In den Alpen Wanderstiefel, ein Kanu vielleicht im Tal zwischen der Schweiz und Österreich, wie wäre es mit einem Segelboot auf dem Bodensee oder einem Drachenflieger, um die Rheinfälle von Schaffhausen zu überstehen? Dann per Binnenschiff oder auch Touristendampfer bis nach Köln, oder mit Ruderbooten oder Fähren nach Holland und schließlich mit Schlepperkähnen und Hochseeriesen im Rotterdamer Hafen.

Prognosen sind eine schwierige Sache. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.
— Mark Twain

Wir kennen den Rhein. Den Markt kennen wir aber nicht. Er ändert sich ständig. Daher stellen Sie sich vor, dass Sie nicht wissen, welches Schuhwerk oder welchen Kahn Sie zu welchem Zeitpunkt benötigen. Denn die aufeinanderfolgenden Marktphasen stehen nicht wie ein bekannter Flussverlauf von vornherein fest, sondern sie verändern sich stetig und unerwartet.

Munter wechselt der Markt zwischen Seitwärtsphasen und Trendmärkten, in ganz unterschiedlichen Volatilitätsausprägungen.

In den 80er Jahren wurde durch das Turtle Trading Projekt in Chicago das Trading per Trendfolgemodellen populär. Ist es heute noch aktuell, jetzt wo es Algotrader der Großbanken und Hedgefonds gibt, die für Flash-Crashes und unerwartete Zacken in der Chartentwicklung sorgen? Vielleicht ja, vielleicht nein, aber wir dürfen keinesfalls einfach gut-gläubig annehmen, dass ein Modell noch in die heutige Zeit passt. 

Marktmeinung, Markttechnik und Marktpsychologie sind im ständigen Wandel. Das einzig konstante ist die Veränderung. Daher gilt für uns Trader, ob mit oder ohne Expert Advisor (EA) am Markt unterwegs, ob auf MT4, MT5 oder einer anderen Plattform mit dem Broker unserer Wahl verbunden (z.B. die von uns wegen engster EURUSD- und Dax-Future-CFD-Spreads oft empfohlene direktbroker-fx), dass wir in regelmäßigen Abständen hinterfragen müssen, ob unser Tradingansatz noch der richtige ist.

Die Ergebnisse dieser so objektiv und sachlich wie möglich durchzuführenden Selbst-Reflektion müssen dann entsprechend beherzt in erneuertes Vertrauen ins eigene Trading-System, in kleinen Anpassungen im Detail oder in großen, gegebenenfalls schmerzhaften Umwälzungen in den verwendeten Strategien umgesetzt werden.