Let's Make Money

Letztes Wochenende bin ich auf YouTube wieder auf einen Film aufmerksam geworden, den ich im Herbst 2008 kurze Zeit nach seiner Veröffentlichung in einem Kölner Kino schon einmal gesehen hatte. Damals brodelte die Finanzkrise auf großer Flamme. In meiner Rolle als Devisenberater im Firmenkundengeschäft einer deuschen Großbank stand ich vor einer Sinnkrise. Dieser Film kam gerade zum richtigen Zeitpunkt, um mir bei meiner eigenen Reflektion zu helfen und interessante und schockierende Zusammenhänge mit der Finanzbrache im Mittelpunkt vor Augen zu führen.

Der Film heißt Let's Make Money. Er spricht für sich. Und jeder, der ihn vollständig und aufmerksam ansieht, wird seine eigene Meinung dazu bilden. Ich persönlich denke, er ist ein Weckruf, unser Finanz- und Wirtschaftssystem auf globaler Ebene gründlich zu überdenken. Im Folgenden hat mich die Lektüre des im Film erwähnten John Perkins, Autor des Thriller-Dokumentations-Buchs Bekenntnisse eines Economic Hit Man, sehr beeindruckt.

Let's Make Money gibt es auch als DVD. Auch wenn der Film derzeit auf YouTube in zehn Teilen sichtbar ist, die qualitativ hochwertige DVD-Version lohnt sich. Hier der offizielle Trailer des Films:

Ende letzten Jahres hat der ehemalige Manchester United Star und französiche Fußball Nationalspieler Eric Cantona eine Möglichkeit ins Spiel gebracht, was jeder einzelne tun kann, um Politiker und Banken zum Umdenken anzuregen. Er hatte vorgeschlagen, dass alle gleichzeitig am 7. Dezember 2010 die Geldautomaten der Banken nutzen, um ihr Geld abziehen. Das war ein Aufruf zu einem Bankrun.

Nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 war dies Gerüchten nach schon fast so weit. Das öffentliche Vertrauen in die Banken war auf dem Tiefstpunkt angelangt, die Bargeldbestände der Bankschalter und -automaten sollen auf ein kritisches Niveau gefallen gewesen sein. Die Europäische Zentralbank EZB hatte die Lage durch großzügige Geldlieferungen schnell wieder stabilisiert.

Wussten Sie, warum Islands Finanzsystem und Währung in Folge der Lehman-Pleite zusammenbrachen? Nicht eine Einlagensicherungs-Einrichtung, nicht die Regierung, sondern die Zentralbank selbst hatte die Gelder der Gläubiger versichert. Nicht nur die Einlagen in eigener, theoretisch unendlich druckbarer Isländischen Krone (ISK) waren dabei versichert, sondern ebenso Fremdwährungsanlagen wie Euro oder US-Dollar - die im Notfall schwer zu beschaffen sind, insbesondere wenn der Kurs der landeseigenen (und druckbaren) ISK verfällt. Folge: verstaatlichte Banken, Quasi-Staatsbankrott, Inflation, überschuldete Privathaushalte, Kapitalkontrollen, den laut derStandard.at ersten surrealistischen Bürgermeisters Europas (dazu auch ein unterhaltsam-informativer Artikel der Süddeutschen). Das Notfallpaket der internationalen Politikgemeinschaft verhinderte den wirklichen Staatsbankrott sowie eine Währungsreform und ermöglichte zwischenzeitlich eine teilweise Rückzahlung der Sparergelder und die Erholung der Wirtschaft.

Eines ist mir deutlich geworden. Die Exzesse in der Finanzwelt haben viel Unruhe und Ungerechtigkeit in die Welt gebracht. Sie haben aber auch viel Gutes ermöglicht. Das auf einem Schulden-Kartenhaus basierende Finanzsystem brachte großartige technologische Entwicklungen wie Öko-Energie, weltweite Kommunikationsmöglichkeiten, höhere Gesundheitsstandards und andere bahnbrechende Innovationen. Da das Spiel mit den Schulden und persönlicher Bereicherung einiger weniger, die die Regeln machen, nicht unendlich weitergehen kann, ist es jetzt an der Zeit umzudenken. Katastrophen wie die Tsunami in Thailand, Ölpest im Golf von Mexiko und der aktuellen Situation in Japan mit Erdbeben, Tsunami und Atomunfall machen überdies deutlich, dass unser schöner Planet die Exzesse der Menschen nicht mehr verträgt. So tragisch diese Unglücke für die individuellen Schicksale sind, zeigen sie auch positive Seiten. Mehr und mehr Weltbürger besinnen sich wieder auf nachhaltige Werte, die Menschheit rückt weltumspannend näher zusammen.

Möglichkeiten, die jeder einzelne von uns zum fairen, globalen Miteinander beitragen können, sind:

  • Nachweislich fair gehandelte Lebensmittel und Waren kaufen
  • Bei der Bankwahl und Geldanlage gezielt und bewusst vorgehen und mehr hinterfragen (als gäbe es keine Einlagensicherung)
  • Ggf. Gelder aus Steueroasen abziehen
  • Sich der Immigration von Menschen aus ärmeren Ländern geistig öffnen
  • Natürliche Ressourcen schonen
  • Bei demokratischen Wahlen für Parteien stimmen, die Subventionsabbau befürworten
  • Bei demokratischen Wahlen für Persönlichkeiten stimmen, die Argumenten der Lobbies widerstehen
  • Eigene berufliche bzw. geschäftliche Aktivitäten auf deren Nachhaltigkeit und Verantwortlichkeit überprüfen und ggf. Konsequenzen ziehen

Bei all Ihren Unternehmungen viel Erfolg wünscht Ihnen
Ihr Cristof Ensslin